Michael Kretschmer (CDU), Ministerpräsident von Sachsen, steht im Vollschutzanzug auf der Covid-19-Intensivstation im Städtischen Klinikum Dresden. Quelle: Robert Michael/dpa-Zentralbild/d

Ministerpräsident Kretschmer plant Diskussion mit Corona-Demonstranten

Dresden. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) will erneut mit Gegnern der Corona-Politik diskutieren. Die Staatskanzlei in Dresden bestätigte dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) einen Gesprächstermin am kommenden Donnerstag. Das Treffen soll online erfolgen. Es wird in der geschlossenen Gruppe „Corona Rebellen Sachsen“ auf dem Netzwerk Telegram beworben, in der auch dazu aufgerufen wird, Fragen an Kretschmer zu sammeln.

Am vorvergangenen Wochenende hatte eine Gruppe von Corona-Demonstranten Kretschmer vor seinem Privatgrundstück in Großschönau in eine erhitzte Diskussion verwickelt. Kretschmer verteidigte die Corona-Maßnahmen und verwies auf die dramatische Lage in Sachsen.

„Es war für mich keine bedrohliche Situation. Es ist mir wichtig, mit den Menschen zu reden, in der Hoffnung, sie zu überzeugen“, sagte Kretschmer im Anschluss. Als jedoch eine Frau demonstrativ ein Halstuch in den Farben der Reichsflagge über ihren Mund zog, sei für ihn eine Grenze erreicht gewesen. „Dann habe ich das Gespräch abgebrochen. Das ging zu weit“, sagte der 45-Jährige. Betroffen habe ihn bei dem Gespräch gemacht, dass die protestierenden Menschen vor seinem Haus einen „derartigen Unwillen zeigen, Realitäten zur Kenntnis zu nehmen“.

Während der Diskussion vor seinem Grundstück machte Kretschmer ein Gesprächsangebot. „Dann organisieren wir eine Runde, wo der Chef der Anästhesie dabei ist, wo der Oberbürgermeister dabei ist“, sagt er den Demonstranten. „Wir machen eine schöne Veranstaltung“, verspricht er. Direkte Reaktionen auf das Angebot gibt es während des Besuchs zunächst nicht.

Doch später meldet sich die Staatskanzlei per Mail bei einer der Demonstrantinnen. Sie gehört nach internen Informationen auch zu den Protestlern, die regelmäßig in der Oberlausitz entlang der Bundesstraße 96 demonstrieren. Dort sind auch immer wieder schwarz-weiß-rote Fahnen in den Farben des Kaiserreichs zu sehen.

Kretschmer führt immer wieder Gespräche mit protestierenden Bürgern, auch aus dem Pegida- und rechtsradikalen Milieu. Auch mit Kritikern der Corona-Maßnahmen diskutiert er immer wieder – selbst dann, wenn sie einen Aluhut tragen. Das findet nicht nur Zustimmung.

“Ich hätte ein solches Versprechen nicht gegeben“, sagt der frühere Leiter der Landeszentrale für politische Bildung und jetzige SPD-Landtagsabgeordnete Frank Richter dem RND. “Sinnvolle Diskussionen brauchen den passenden Rahmen und ein klares Thema. Zudem ist ein Ministerpräsident nicht für alles verantwortlich, was im Land geschieht, Aber klar, gegebene Versprechen sollte man einhalten.”

Von Jan Sternberg/RND