Heimbewohnerin beim Fototermin zum Impfbeginn in Köln. Quelle: imago images/Future Image

CDU-Gesundheitsexperte fordert Impfprivilegien für Heimbewohner

Berlin. Der Europa-Abgeordnete und Gesundheitsexperte der konservativen Europäischen Volkspartei, Peter Liese (CDU), hat in der Debatte um Impfprivilegien zu Geduld gemahnt, allerdings eine Ausnahmen für Bewohner von Alten- und Pflegeheimen ins Spiel gebracht. „Es ist richtig, dass man sich für das Thema Impfausweis und die damit verbundenen Rücknahmen von Einschränkungen der Freiheit Zeit lässt. Wir brauchen zunächst mehr Klarheit über die wissenschaftliche Lage“, sagte Liese dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Man müsse „Schritt für Schritt“ vorgehen, so der CDU-Politiker. „Eine generelle Öffnung aller Lebensbereiche für Geimpfte kann es erst geben, wenn jeder die Chance hatte, sich impfen zu lassen.“

Wenn es soweit sei, müsse man allerdings vorbereitet sein, betonte Liese. Die Diskussion jetzt sei deshalb richtig. „Wir brauchen fälschungssichere und einheitliche Lösungen. Am Ende geht es nicht um Privilegien, sondern um die Rücknahme von Einschränkungen der Freiheiten, die dann nicht mehr gerechtfertigt sind, wenn jeder die Chance hatte, sich impfen zu lassen und einige das aus persönlichen Gründen nicht tun“, sagte Liese.

Bei Bewohnern von Alten- und Pflegeheimen plädiere er allerdings für eine „große Ausnahme“ so Liese weiter. „Menschen in Altenheimen, die besonders gelitten haben, sollten die Gelegenheit haben, Gemeinschaftserlebnisse unter Geimpften so schnell wie möglich zu erleben, etwa gemeinsames Singen“, sagte der CDU-Angeordnete. „Gerade diese Menschen brauchen ganz schnell wieder soziale Kontakte.“

Spahn: 3 Millionen Impfdosen von Astrazeneca im Februar

Unterdessen hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) konkretisiert, wie sich die am Freitag angekündigten Impfstoff-Lieferausfälle des Herstellers Astrazeneca auswirken werden. Er rechne damit, dass Deutschland „im Februar mit mindestens drei Millionen Impfdosen“ des britisch-schwedischen Unternehmens erhalten werde, sagte der CDU-Politiker der „Bild am Sonntag“. Das sei „leider weniger, als erwartet war“, räumte Spahn ein. Er traf seine Aussage unter der Voraussetzung, dass der Impfstoff von Astrazeneca wie erwartet Ende Januar in der EU zugelassen wird. Es zeige sich einmal mehr, dass die Produktion von Impfstoffen deutlich komplexer sei, als manche Überschrift vermuten lasse, sagte er.

Am Freitag hatte Astrazeneca mitgeteilt, nach einer Zulassung weniger Corona-Impfstoff an die EU liefern zu könne, als ursprünglich geplant. Grund sei eine geringere Produktion an einem Standort in der europäischen Lieferkette. Wie „Bild“ berichtet hatte, muss der Impfstoff wegen der aufgetauchten Mutationen in einigen Ländern angepasst werden. Bereits auf Halde produzierte Impfstoffe könnten deshalb womöglich nicht ausgeliefert werden. Zudem seien die Auswirkungen eines Brandes in einem Werk noch nicht klar. In dieser Woche war es bereits zu einem Lieferengpass der Hersteller Biontech und Pfizer gekommen.

Spahn erneuerte sein Versprechen, dass im Sommer allen Bürgern eine Impfung angeboten werden könne, wenn die erwarteten Zulassungen weiterer Impfstoffe kommen. Auch am Ziel, die erste Gruppe von Impfkandidaten „bis Ende März“ durchzuimpfen, hielt er fest. Zu der Gruppe gehören über 80-Jährige, Pflegeheimbewohner und Medizin- und Pflegepersonal.

Kritik an einem mangelnden Impftempo in Deutschland im internationalen Vergleich wies der Minister zurück. „Sinnvoll vergleichen können wir in zwei oder drei Monaten.“ Deutschland habe mit den Pflegeheimen angefangen, das sei aufwendiger und dauere länger.

RND/mit Material von dpa

Von Damir Fras/RND