Polens Präsident Andrzej Duda. Quelle: imago images/Eastnews

Immer mehr Lockdown-Kritiker in Polen: Präsident Duda will hart bleiben

Warschau. Trotz wachsenden Widerstands gegen Corona-Maßnahmen in Polen will Präsident Andrzej Duda nicht vom Kurs abweichen.

Er habe zwar Verständnis für die „Verzweiflung“ jener Bürger, die ihre Geschäfte im Protest gegen den Lockdown öffneten, sagte Duda in einem am Montag veröffentlichten Interview der regierungsnahen Zeitschrift „Sieci“. Doch müsse es nach wie vor Strafen für jene geben, die sich über die staatlich angeordneten Beschränkungen hinwegsetzten.

Duda reagierte auf die landesweite Bewegung #OtwieraMY (Wir machen auf), an der sich Hunderte Unternehmer beteiligen, die aus Sorge vor einer Pleite ihre Restaurants, Hotels, Skilifts, Fitnessstudios und Geschäfte öffnen, obwohl der Lockdown bis Ende Januar verlängert worden ist.

In sozialen Medien machen inzwischen Videos und Fotos von Partys in Clubs und Kneipen im ganzen Land die Runde - in einigen Beiträgen, die erst am vergangenen Wochenende entstanden sein sollen, skandieren Feiernde regierungskritische Parolen.

Gesundheitsbehörden verhängen Bußgelder

Die Regierung hat jenen, die gegen die Auflagen verstoßen oder dies vorhaben, mit Kürzungen finanzieller Hilfen und dem Ausschluss von Ausnahmen von etlichen Abgaben gedroht. Bußgelder für Inhaber offener Geschäfte verhängen auch die Gesundheitsbehörden.

„Ich kann die Ungeduld und oft sogar die Verzweiflung der Menschen verstehen, die das Werk ihres gesamten Lebens auseinanderfallen sehen“, sagte Duda dazu im Interview. „Leute zu bestrafen, die verzweifelt sind, ist ein schreckliches Muss.“ Doch müssten die Regeln durchgesetzt werden.

Kritiker klagen über zu wenig Unterstützung des Staats

Viele Unternehmer und Geschäftsinhaber klagen, dass die Unterstützung der Regierung ihren Bedarf nicht decke. Die Bewegung „Wir machen auf“ sieht sich als Antwort auf eine „von Politikern provozierte Krise“, die viel gefährlicher sei als die Pandemie.

Eine jüngste Umfrage des Instituts IBRiS kam zum Schluss, dass 70 Prozent der Befragten die Lockdown-Verletzungen von Hotels und Restaurants befürworten. 75 Prozent unterstützen die Wiederinbetriebnahme von Skilifts, bei Nachtclubs sind es aber nur 24 Prozent.

RND/cle/AP