Pflanzen gegen den Corona-Frust. Kunden in einem Münchner Gartencenter, hier im Frühjahr 2020. Quelle: Sven Hoppe/dpa

Kleine Schritte aus dem Lockdown: Mit Blumen und Schrauben gegen den Corona-Frust

Es öffnen nun also die Friseure und vielerorts auch die Bau- und Gartenmärkte. Neue Geranien im Balkonkasten, Wühlen im Blumenbeet, Kellerregale zusammenbasteln – die Hobbygärtner- und Heimwerkersaison kann beginnen. Sogar der selbsternannte oberste Gefahrenbekämpfer Markus Söder aus Bayern hat sich dazu durchgerungen.

Es ist ein Therapieversuch gegen den Corona-Frust nach einem Jahr im fast durchgängigen Ausnahmezustand und gegen die Ungeduld, die das Virus durch seine Widerstandskraft und seine Lust an der Verwandlung ausgelöst hat. Blumen-Schrauben-Hochgefühl also und ein bisschen Normalität durch etwas mehr Ordnung auf dem Kopf.

Ein wenig mag das die Lage entspannen. Aber das Grundproblem bleibt. Der Kampf gegen das Virus erschöpft. Es gibt Existenzsorgen. Die Schwierigkeiten von Kindern und Jugendlichen mit dem Lernen auf Distanz, mit weniger Sport und vor allem mit weniger Freunden sind greifbar.

Es gibt Impfstoffe, Schnelltests, immer wieder Anlass zur Hoffnung. Und dann rückt die Normalität doch wieder in weite Ferne, wegen Organisationsfehlern, neuen Erkenntnissen oder steigenden Infektionszahlen.

Das Problem ist: Den einen richtigen Weg gibt es in der Angelegenheit nicht. Was für den einen noch hinnehmbar oder vielleicht sogar problemlos ist, ist für den anderen schon lange zu viel und unerträglich. Ängste und Sorgen lassen sich schwer gegeneinander aufwiegen.

Die Ministerpräsidentenkonferenz in dieser Woche wird trotz steigender Infektionszahlen und trotz Warnungen vor der Ansteckungskraft der Virusmutationen von Öffnungsdebatten bestimmt sein. Viele Länderchefs dringen auf einen Stufenplan.

Bei aller Unsicherheit wäre es hilfreich, wenn dabei diesmal wirklich alle an einem Strang ziehen. Auch wenn das Jahr ein Wahlkampfjahr ist.

Von Daniela Vates/RND