Ein vermeintlich cooler Typ mit Krawatte und Badeshorts: Der Möchtegernautokrat Donald Trump, der den rechten Mob am 6. Januar zum Sturm auf das Parlament aufrief, ist der Held beim politischen Sektentreffen der US-Republikaner in Orlando. Quelle: imago images/ZUMA Wire

Republikaner-Treffen: Der Tanz um den goldenen Trump

Washington. Die Haartolle sitzt fest auf dem Kopf, die rote Krawatte ist wie üblich zu lang gebunden – doch unter dem Anzugsjackett lugt eine Badeshorts im „Stars and Stripes“-Muster hervor: Eine 1,80 Meter große, vergoldete Fiberglasstatue ist an diesem Wochenende die wichtigste Attraktion im Hyatt-Regency-Hotel von Orlando. Zwar soll der echte Donald Trump dort erst als Höhepunkt am amerikanischen Sonntagnachmittag sprechen. Doch der Ex-Präsident dominiert von Anfang an das dreitägige Jahrestreffen der US-Rechtskonservativen.

Nicht nur drängen sich die Selfiejäger buchstäblich um die bizarre Darstellung ihres Idols. Auf der Bühne machen die Redner dem 74-Jährigen untertänigst die Aufwartung. „Die Konservativen werden nie zum gescheiterten republikanischen Establishment von vorgestern zurückkehren“, versichert Floridas Gouverneur Ron DeSantis.

Mit mächtigem Applaus wird der texanische Senator Ted Cruz für seine Prophezeiung belohnt, Trump werde „nirgendwo hingehen“ und verschwinden. Am besten, rät Donald Trump Junior, der Sohn des verehrten Anführers, solle sich die Veranstaltung von CPAC (Conservative Political Action Conference) in „TPAC“ umbenennen – mit „T“ für Trump.

Der Mythos des Märtyrers

Das ist kaum übertrieben. Sechs Wochen nach dem Machtwechsel in Washington hat der einstige Reality-TV-Star die Partei im Griff wie lange nicht. Zum Gestus des Wutpredigers hat sich der Mythos des Märtyrers gesellt, der angeblich von den Linken um seinen Wahlsieg betrogen wurde. Die Republikaner aber haben ihre einstigen Überzeugungen von Recht und Ordnung, freiem Handel und offenen Märkten endgültig gegen einen sektenhaften Personenkult eingetauscht.

Beim Jahrestreffen der Hardcore-Republikaner wird das überdeutlich. Traditionell dient die Veranstaltung auch zum ersten Schaulaufen möglicher Präsidentschaftsbewerber. Doch dieses Mal verzwergen sich alle Redner zur Vorgruppe des eigentlichen Stars Donald Trump, der am Sonntag den ersten öffentlichen Auftritt seit seinem Abschied aus dem Weißen Haus hat. Würde der Ex-Präsident bei der Wahl 2024 erneut antreten, wäre ihm nach heutigem Stand die Unterstützung seiner Partei sicher.

Die Veranstalter haben die CPAC-Konferenz von Maryland nach Orlando verlegt – wegen der lockereren Corona-Auflagen in Florida. Doch dass das Treffen nun in der Nähe des neuen Trump-Wohnsitzes in Palm Beach und unweit der Fantasiewelt von Disneyland stattfindet, kann man als Zeichen werten.

Um politische Inhalte geht es nur am Rande. Das 1,9 Billionen Dollar schwere Corona-Hilfspaket, das gerade vom Repräsentantenhaus beschlossen wurde, wird eher beiläufig in einer Rede des republikanischen Fraktionschefs Kevin McCarthy erwähnt.

Im Zentrum der Veranstaltung steht der von Verschwörungslegenden gespeiste Kulturkampf des reaktionären weißen Amerikas. Dass Donald Trump die Wahl gewonnen hat, steht für die meisten Teilnehmer fest. Der blutige Sturm auf das Kapitol, bei dem fünf Menschen ums Leben kamen, wurde in ihrer paranoiden Sicht von linken Antifa-Krawallmachern entfacht, die gemeinsam mit den Demokraten die USA zerstören wollen.

Nancy Pelosi auf Klopapier

„Socialism sucks“ (Sozialismus ist zum Kotzen) steht auf T-Shirts, die in der Verkaufshalle neben unzähligen Trump-Devotionalien angeboten werden. Wenn man eine Maske trägt, dann gerne mit dem Aufdruck: „This mask is as useless as Joe Biden“ (Diese Maske ist so nutzlos wie Joe Biden). Auch Toilettenpapier mit dem Konterfei der demokratischen Parlamentssprecherin Nancy Pelosi ist im Angebot. Neben den Demokraten dienen in den Reden vor allem moderate Republikaner als Lieblingsobjekte der Verbalattacken.

Der geistige Überbau dieses Sektentreffens aber ist die Behauptung, bei Lügen wie der von Trumps Wahlsieg handele es sich um abweichende Meinungen, die vom linken Mainstream unterdrückt würden. „Wenn sie ihn zensieren, können sie jeden Amerikaner mundtot machen“, warnt der rechtsextreme Abgeordnete Josh Hawley, einer der Anstifter des Putschversuches. Der Saal jubelt. Schweigen müssen in Orlando andere: Trump-Kritiker wie die konservative Fraktionsgeschäftsführerin Liz Cheney wurden erst gar nicht eingeladen.

Von Karl Doemens/RND