Tahani ist 38 Tage alt und leidet an schwerer akuter Unterernährung. Ihre Mutter brachte sie ins Al Sadaqah Krankenhaus, weil das Kind häufig Durchfall und plötzlichen Gewichtsverlust hatte. Die Vereinten Nationen fürchten eine große Hungersnot im Bürgerkriegsland Jemen. Quelle: Giles Clarke/UNOCHA/dpa

Ziel wieder verfehlt: UN erhalten weniger als die Hälfte der nötigen Hilfen für den Jemen

Kairo. Die UN-Geberkonferenz für den bürgerkriegsgeplagten Jemen hat nur Zusagen in Höhe von 1,7 Milliarden Dollar (rund 1,41 Milliarden Euro gebracht. UN-Generalsekretär António Guterres sprach am Montag von einer Enttäuschung. Er hatte humanitäre Hilfen in Höhe von 3,85 Milliarden Dollar für den Jemen gefordert. „Heute setzt Hungersnot dem Jemen zu“, sagte Guterres auf der virtuellen Konferenz, deren Gastgeber Schweden und die Schweiz waren. Die Staaten der Welt sollten helfen, die weltweit schlimmste Hungersnot seit Jahrzehnten abzuwenden.

Die USA sagten aber lediglich 191 Millionen Dollar zu - 35 Millionen weniger als im vergangenen Jahr. Deutschland versprach 241 Millionen Dollar, Großbritannien 121 Millionen und die EU 115 Millionen Dollar. Die norwegische Außenministerin Ine Eriksen Søreide teilte mit, ihr Land werde 200 Millionen norwegische Kronen (knapp 19,4 Millionen Euro) für den Jemen zur Seite legen. Sie sei „zutiefst besorgt“ über die Lage. Die enorme Bedürftigkeit im Jemen sei menschengemacht, sagte sie.

Schon im vergangenen Jahr hatten Hilfsorganisationen nur etwa 1,9 Milliarden Dollar für den Jemen erhalten, die Hälfte dessen, was nötig war, wie der Chef des Internationalen Rettungskomitees, David Miliband, sagte.

Bereits 130.000 Menschen getötet

Der Krieg im Jemen war 2014 ausgebrochen. Damals überrannten die vom Iran unterstützten Huthis die jemenitische Hauptstadt Sanaa und einen Großteil des Nordens des Jemens. 2015 griff eine von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition ein, um die international anerkannte Regierung im Jemen wieder einzusetzen. Im Krieg sind rund 130.000 Menschen getötet worden. Vier Millionen Menschen mussten aus ihren Häusern fliehen. Das UN-Amt für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (Ocha) warnte. In diesem Jahr könnten mehr als 16 Millionen Menschen im Jemen hungern.

Der Generalsekretär der Hilfsorganisation Norwegischer Flüchtlingsrat, Jan Egeland, gab am Montag zu bedenken, dass Hilfsorganisationen „auf katastrophale Weise“ unterfinanziert und überlastet seien. „Es ist empörend, dass Hilfsorganisationen betteln (...) müssen, um das absolute Minimum an Lebensmitteln zu liefern, um dabei zu helfen, Jemeniten am Leben zu halten, wenn die Länder, die Krieg führen und so viel des Leidens verursachen, immer noch dazu bereit sind, Unmengen mehr für die Kämpfe auszugeben“, sagte Egeland.

Huthi-Sprecher Mohammed Abdul-Salam kritisierte, Geberkonferenzen sagten dem Jemen weniger Hilfe zu als den Kriegsgegnern seiner Organisation. Ein Ende der Aggression wäre die größtmögliche Hilfe für das Land. Konferenzteilnehmer konterten, die Huthis sollten ihre Offensive in der Provinz Marib und ihre Angriffe auf Saudi-Arabien stoppen.

RND/AP