Samstag , 3. Dezember 2022
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Lothar Wieler (l), Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), und Jens Spahn (CDU), Bundesgesundheitsminister, haben in einer Pressekonferenz über die aktuellen Entwicklungen in der Corona-Pandemie informiert. Quelle: Wolfgang Kumm/dpa

Spahn: „Im April mehr Impfstoff, als in den Impfzentren verimpft werden kann“

Neben der Durchführung von Schnelltests setzt die Bundesregierung in der Corona-Pandemie auch auf eine Erhöhung des Impftempos, um weitere Lockerungen der Corona-Maßnahmen umsetzen zu können. Gleichzeitig steigen die Corona-Infektionszahlen. Gesundheitsminister Jens Spahn und RKI-Chef Lothar Wieler haben heute in einer Pressekonferenz über die aktuellen Entwicklungen informiert. „Im April wird mehr Impfstoff da sein, als in den Impfzentren verimpft werden kann“, stellte Gesundheitsminister Jens Spahn in Aussicht.

Die Inzidenzzahlen stagnieren, mehr Menschen stecken sich mit dem Coronavirus an: „Das ist leider wieder Realität“, so Gesundheitsminister Spahn. Mit Blick auf die Ministerpräsidentenkonferenz betonte er, dass es wichtig gewesen sei, die richtige Balance zwischen Gesundheitsschutz und Lockerungen zu finden.

Notbremse ist wichtig

„Wir gehen an die Grenzen, was möglich ist“, so Spahn. Keine Lockerungen seien auch keine Alternative gewesen. Wichtig sei deswegen die vereinbarte „Notbremse“ für den Fall, dass die Zahl der Neuinfektionen wieder stark ansteigen sollten.

Spahn stellte eine große Verfügbarkeit von Schnelltests in Aussicht. „Es sind mehr als genug Schnelltests verfügbar und jedes Testzentrum weiß, wo es sie bestellen muss,“ sagte Spahn. Laut Angaben der Hersteller seien deren Lager voll.

Gleichzeitig kämen auch immer mehr Selbsttest in den Handel. Hersteller hätten signalisiert, 20 Millionen pro Woche herstellen zu können. Es könne in Zukunft möglich sein, jeden Schüler in Deutschland zweimal in der Woche zu testen, so der Gesundheitsminister. „Ich biete mich als Kontaktbörse an, jeder Ministerpräsident kann mich anrufen,“ bot Spahn Hilfe bei der Beschaffung der Selbsttests an. Gleichzeitig mahnte der Gesundheitsminister, sich bei einem negativen Testergebnis allzu sicher zu fühlen – die Hygienemaßnahmen müssten weiter eingehalten werden.

Arztpraxen sollen ab April impfen

Zum Thema Impfen sagte Spahn: „Im April wird mehr Impfstoff da sein, als in den Impfzentren verimpft werden kann.“ Dann sollten Arztpraxen routinemäßig in die Impfkampagne mit einbezogen werden. Auch Betriebsärzte größerer Unternehmen und Behörden, wie beispielsweise der Polizei, seien bei den Überlegungen mit einbezogen worden, erläuterte der Gesundheitsminister. Sie seien der logische zweite Schritt, wenn die ältere Bevölkerung geimpft sei.

RKI-Chef Lothar Wieler erklärte derweil, dass mittlerweile drei Prozent der Deutschen eine zweite Impfdose erhalten hätten. Die Zahl der Todesfälle gehe langsam zurück. Es seien aber weiterhin zu viele Tote, zudem schwanke die bundesweite Sieben-Tages-Inzidenz seit Tagen.

Mit Blick auf die Verbreitung der ansteckenderen Virus-Mutationen sieht Wieler eine Trendumkehr: „Der Anteil der Mutationen steigt signifikant: Es ist absehbar, dass B1.1.7 die vorherrschende Virus-Variante in Deutschland sein wird“, so Wieler.

Am Mittwoch einigten sich Bund und Länder nach zähem Ringen darauf, die Corona-Maßnahmen schrittweise zu lockern. Dabei setzen die Politiker vor allem auf Schnelltests. Schon vom 8. März an werde je Bürger pro Woche ein kostenloser Test pro Woche zur Verfügung stehen, kündigte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) Mittwochnacht an. Damit in Zukunft auch ausreichend Selbsttest zur Verfügung stehen, bilden Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) eine Taskforce zur Testlogistik.

Die Corona-Infektionszeilen steigen derweil. Die Gesundheitsämter haben dem Robert-Koch-Institut (RKI) binnen eines Tages 10.580 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Vor genau einer Woche hatte das RKI binnen eines Tages noch 9997 Neuinfektionen verzeichnet. Die Zahl der innerhalb von sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner (Sieben-Tage-Inzidenz) lag laut RKI am Freitagmorgen bundesweit bei 65,4 – und damit etwas höher als am Vortag (64,7). Die Daten geben den Stand des RKI-Dashboards von 5.20 Uhr wieder, nachträgliche Änderungen oder Ergänzungen sind möglich.

RND/ag/dpa

Von Anja Gribhofer/RND