Innerhalb kurzer Zeit waren die Corona-Selbsttests bei Aldi ausverkauft. Quelle: Thomas Müller/dpa

Selbsttest bei Aldi: Kritik an Teststrategie der Regierung wird lauter

Der Verkauf der Corona-Selbsttests im Einzelhandel hat am Samstag mit einem großen Ansturm begonnen. Innerhalb kürzester Zeit waren die Selbsttests bei Aldi vergriffen. Der Onlineshop bei Lidl war aufgrund der zahlreichen Zugriffe teilweise nicht erreichbar. Auf Twitter kritisieren viele User im Zuge der neuen Testmöglichkeiten die politischen Maßnahmen in der Corona-Krise und das Vorgehen von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU).

Zuvor hatten auch SPD, CSU und Grünen die Teststrategie kritisiert. Auch der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg, hat die Bundesregierung angegriffen und fehlende Antworten angemahnt. „Wir brauchen gerade mit Blick auf die Schnellteststrategie jetzt vom Bund schnell Klarheit, wer welche Aufgaben, etwa bei Beschaffung der Tests, übernimmt”, sagte Landsberg.

Spahn verteidigt Teststrategie gegen Kritik

Spahn verteidigte die Corona-Teststrategie der Bundesregierung. „Es war nie vereinbart, dass der Bund diese Tests beschafft”, sagte Spahn am Samstag bei einer digitalen Gesprächsrunde mit dem rheinland-pfälzischen CDU-Spitzenkandidaten Christian Baldauf. „Was vereinbart war, ist, dass wir mithelfen, dass sie zugänglich sind, dass sie verfügbar sind.”

„Die Schnelltests sind mehr als genug verfügbar”, bekräftigte der Bundesgesundheitsminister. „Deswegen können wir ab Montag als Bund auch sagen, wir übernehmen die Kosten für einen Bürgertest für jeden, der sich mindestens einmal die Woche testen lassen will.” Die Strukturen dafür würden entstehen. „Sie werden noch nicht überall am Montag gleich vollständig da sein.” Aber viele Bundesländer und viele Kommunen hätten gesagt, dass sie am Montag damit starten können.

Zudem seien die Selbsttests, die in Drogerien, Discountern und Apotheken erhältlich sind, eine Hilfe, um private Situationen wie beispielsweise Familientreffen abzusichern, sagte Spahn. In den Ländern würden diese Tests auch in Kitas und Schulen helfen. Er habe mit fast allen Ministerpräsidenten bereits deswegen Kontakt gehabt. „Viele Länder haben auch schon entsprechend für ihre Schulen und Kitas die Dinge unter Dach und Fach.” Wo noch Unterstützung nötig sei, helfe er gerne mit als „ministerielle Kontaktbörse”.

Aldi von Ansturm überrascht

Aldi ist vom Ansturm auf die ersten Corona-Selbsttests selbst überrascht gewesen. „Die Artikel, die wir stationär in den Filialen vorrätig hatten, waren am Vormittag in den meisten unserer Filialen erwartungsgemäß ausverkauft”, teilten Aldi Süd und Aldi Nord mit. Das Interesse an den Tests habe den Discounter „in dieser Intensität doch überrascht“.

Bereits in den frühen Morgenstunden hatten sich vor den Aldi-Filialen lange Schlangen gebildet. Dass die Schnelltests bereits nach wenigen Minuten ausverkauft sind, sorgt allerdings auch für Unmut.

Aldi bat Kunden, die leer ausgingen, um Verständnis. In der neuen Woche werde bereits mit den nächsten Lieferungen gerechnet. Schon vorab hatte der Discounter darauf hingewiesen, dass die Aktionsware bereits am ersten Aktionstag vergriffen sein könnte.

Bei Konkurrent Lidl konnte der Schnelltest online bestellt werden - sofern die Kunden überhaupt zum Bezahlvorgang kamen. “Unsere Webseite ist derzeit nicht erreichbar. Bitte versuchen Sie es zu einem späteren Zeitpunkt erneut”, war über Stunden auf der Website zu lesen. Grund sei die hohe Nachfrage nach den Corona-Tests, hieß es auf einem Banner. Später erklärte das Unternehmen: “Auch wenn unsere Webseite aufgrund der hohen Nachfrage an unseren Corona-Selbsttest zeitweise nicht erreichbar ist, haben wir weiterhin Ware in ausreichender Menge verfügbar.”

Lidl kündigte an, “in Kürze” Corona-Schnelltests nicht mehr nur online, sondern auch in allen Filialen verkaufen zu wollen.

Die Supermärkte Rewe und Edeka wollen bald mit dem Verkauf beginnen. Die Drogeriemarkt-Ketten Rossmann und dm planen den Start für Dienstag. Apotheken wollen die Produkte ebenfalls anbieten.

RND/ar/dpa