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António Guterres bei seiner Eröffnungsrede der 65. Konferenz der UN-Frauenrechtskommission . Quelle: imago images/Xinhua

UN-Chef Guterres befürchtet durch die Corona-Pandemie jahrzehntelangen Schaden für Frauen

New York. UN-Generalsekretär António Guterres hat zum Auftakt einer Konferenz zu Frauenrechten erneut die ungleichen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Männer und Frauen beklagt. Die Corona-Krise sei „eine Krise mit dem Gesicht einer Frau“, sagte Guterres am Montag bei der größtenteils im Internet abgehaltenen 65. Konferenz der UN-Frauenrechtskommission, bei der in den kommenden zwei Wochen hunderte Teilnehmer erwartet werden. „Die Auswirkungen haben gezeigt, wie tief die Geschlechterungerechtigkeit noch in den politischen, sozialen und wirtschaftlichen Systemen der Welt steckt.“

So hätten in der Krise beispielsweise deutlich mehr Frauen als Männer ihre Jobs und Einkommen verloren, Frauen seien deutlich stärker mit der unbezahlten Betreuung von Kindern oder Angehörigen beschäftigt worden und zudem sei die Gewalt gegenüber Frauen stark angestiegen. „Jetzt ist die Zeit, einen anderen Weg einzuschlagen“, forderte Guterres. „Die gleiche Teilhabe von Frauen ist der Paradigmenwechsel, den wir brauchen.“ Die jährlichen Konferenz - die größte, die sich bei den UN mit Frauen-Themen befasst - beschäftigt sich diesmal unter anderem auch mit Frauen in Führungspositionen.

Mehr Gewalt und Armut

Die UN-Gleichstellungsbeauftragte Phumzile Mlambo-Ngcuka hat die Corona-Pandemie als schwere Krise für die Gleichberechtigung von Frauen und Mädchen gewertet. Frauen verlören weit öfter ihre Arbeit als Männer, sagte Mlambo-Ngcuka am Montag. Die Zahl der Frauen, die von weniger als 1,90 Dollar (1,59 Euro) pro Tag leben müssten, sei in diesem Jahr um 47 Millionen gestiegen.

Dazu komme eine Schattenpandemie häuslicher Gewalt, sagte Mlambo-Ngcuka. Zahlen der Weltgesundheitsorganisation zeigten, dass davon besonders junge Mädchen und Frauen zwischen 15 und 24 betroffen seien. Dort gebe es die höchsten Raten von Gewalt unter Partnern. In den vergangenen zwölf Monaten habe sie bei 16 Prozent gelegen.

Guterres befürchtet jahrzehntelangen Schaden

Mlambo-Ngcuka sagte, 59 Prozent der Frauen hätten berichtet, wegen der Pandemie mehr Zeit mit Hausarbeit verbracht zu haben. Wegen der Pandemie werde es zudem mehr Waisen geben und mehr Haushalte, die von Kindern geführt werden. Das wiederum werde zu mehr Kinderhochzeiten führen.

António Guterres sagte, die Gewalt gegen Frauen nehme mit jedem Monat zu. „Der Schaden ist unkalkulierbar und wird über Jahrzehnte hinweg in zukünftigen Generationen nachhallen“, sagte er.

RND/AP/dpa