Samstag , 24. September 2022
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Kisten mit dem russischen Impfstoff Sputnik V kommen am Flughafen von Tunis an. Russland liefert inzwischen in über 30 Länder. Quelle: Hassene Dridi/AP/dpa

Corona-Impfstoff: Kommt Sputnik V bald aus Bayern?

Berlin. Der deutsche Produkionsstandort für den russischen Impfstoff Sputnik V liegt möglicherweise im Landkreis Neu-Ulm in Bayern. In der 16.000-Einwohner-Stadt Illertissen hat die R-Pharm Germany GmbH ihren Sitz. Dabei handelt es sich um einen Arzneimittelhersteller mit 150-jähriger Tradition, der in der langen Firmengeschichte auch schon einmal zum US-Unternehmen Pfizer gehörte.

4500 Beschäftigte in Russland

Seit 2014 ist R-Pharm ein Tochterunternehmen des russischen Arzneimittelherstellers R-Pharm Group Russland mit Hauptsitz in Moskau. Der Konzern hat 4500 Beschäftigte, mehrere Werke in Russland und eine Niederlassung in Aserbaidschan und fungiert nach eigenen Angaben als Industriepartner bei der Herstellung des russischen Impfstoffs Sputnik V.

Nach Mitteilung der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) hat am 4. März die „fortlaufende Überprüfung von Sputnik V“ begonnen, als Voraussetzung für die Zulassung des russischen Impfstoffs für den europäischen Markt.

Vorangegangen war dem ein wochenlanges Hin und Her über die Frage, ob Russland überhaupt einen entsprechenden Antrag bei der EMA gestellt habe. Nachfragen des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) beim russischen Entwickler, dem Direktinvestitionsfonds (RDIF), in Moskau blieben unbeantwortet.

Antrag auf Zulassung gestellt

Möglicherweise gab es Schwierigkeiten mit den Anforderungen der EU-Bürokratie, außerdem ist es zwingend vorgeschrieben, dass der Antrag bei der EMA von einem Unternehmen gestellt wird, das seinen Sitz in der Europäischen Union hat. Diese Hürde ist nunmehr genommen, denn die EMA gab mit der Mitteilung zum Prüfverfahren ebenfalls bekannt: „Der EU-Antragsteller für dieses Arzneimittel ist die R-Pharm Germany GmbH.“

Am Montag teilte der RDIF zudem mit, man habe eine Vereinbarung mit einem deutschen Hersteller für die Produktion von Sputnik V getroffen, nannte aber den Namen des Unternehmens nicht. Eine Nachfrage des RND bei R-Pharm Germany in Illertissen ergab: „Wir können dazu im Moment nichts sagen. Bitte fragen Sie in Moskau nach.“ Dort schweigt man auch, will aber auch nicht dementieren.

„Wir sind da durchaus offen“

Fest steht: Die Pharm Group hat das Know-how, und sie hat ein deutsches Tochterunternehmen, das man auch beim Verband der forschenden Pharmaunternehmen (VFA) unter die „üblichen Verdächtigen“ einordnet, die in der Lage wären, Sputnik V herzustellen.

Staatssekretär Andreas Feicht, im Bundeswirtschaftsministerium zuständig für die extra gegründete Taskforce Impfstoffproduktion, bestätigte am Dienstag im RBB-Inforadio, es gebe Gespräche zum Standort Illertissen. „Wir sind da durchaus offen.“

Von Jan Emendörfer/RND