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Der Mann in der Mitte gilt als gesetzt: AfD-Chef Tino Chrupalla will Spitzenkandidat für die Bundestagswahl werden – und das möglichst schnell. Alexander Gauland (sehr weit rechts) steht dafür nicht mehr zur Verfügung. Alice Weidel könnte an der Seite Chrupallas in den Wahlkampf ziehen. Quelle: imago images/Christian Spicker

AfD-Spitzenkandidatur: Landesverbände wollen Kür auf Parteitag erzwingen

Berlin. Mehrere AfD-Landesverbände wollen nach Informationen des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) auf dem Parteitag in Dresden Anfang April einen Spitzenkandidaten oder ein Spitzenteam küren. Damit stellen sie sich gegen einen Beschluss des Parteivorstands, der die Frage der Spitzenkandidatur erst Anfang des Sommers klären will. Weiter verkompliziert wird die Sache dadurch, dass zurzeit eine Umfrage unter den AfD-Mitgliedern läuft, in der die Basis darüber abstimmen soll, ob der oder die Spitzenkandidaten per Urwahl oder auf dem Parteitag gekürt werden soll.

Im ungünstigsten Fall stünden die Delegierten in Dresden vor dem Dilemma, gegen das Ergebnis einer – nicht bindenden – Mitgliederbefragung über die Spitzenfrage zu entscheiden.

Die Mehrheit des Bundesvorstands unter Parteichef Jörg Meuthen, der selbst nicht für den Bundestag kandidieren will, hatte sich dagegen ausgesprochen, die Frage der Spitzenkandidatur in Dresden zu klären. Begründet wird dieser Schritt damit, dass die Mehrzahl der Landesverbände ihre Listen für den Bundestag nicht vor dem Parteitag aufgestellt haben.

Co-Parteichef Tino Chrupalla, der Spitzenkandidat in Sachsen und Meuthens Gegenspieler ist, macht keinen Hehl daraus, dass er diese Entscheidung für falsch hält. Ebenso die beiden Vorsitzenden der Bundestagsfraktion, Alexander Gauland und Alice Weidel. „Die Köpfe müssen zu Beginn des Wahlkampfes hinter einer Kampagne stehen und nicht erst kurz vor der Wahl aus dem Hut gezaubert werden – dann ist es nämlich zu spät“, sagte Weidel.

„Keine weitere kostbare Zeit verstreichen lassen“

Chrupalla gilt bis weit ins Meuthen-Lager hinein gesetzt als Teil eines Spitzenteams, das er zum Beispiel gemeinsam mit Weidel bilden könnte.

Der Antrag wurde von acht Landesverbänden fast gleichlautend eingereicht. Er liegt dem RND vor. Darin heißt es unter anderem: „Wir stehen zunehmend unter Zeitdruck bezüglich einer erfolgreichen Wahlkampfplanung, auch was gerade die Verwertung eines Spitzenkandidaten/Spitzenkandidatenteams deutschlandweit in den einzelnen Landesverbänden angeht. Wir dürfen keine weitere kostbare Zeit verstreichen lassen.“

Von Jan Sternberg/RND