Mittwoch , 22. September 2021
Peter Gauweiler, Rechtsanwalt und früher stellvertretender CSU-Vorsitzender. Quelle: Sven Hoppe/dpa

Masken und mehr: Lebensgefahr für die Union

Berlin. Die Dimensionen des Maskenskandals sprengen längst jede Vorstellungskraft. So hat es bei dem früheren thüringischen CDU-Bundestagsabgeordneten Mark Hauptmann einen, wie es heißt, „Vermögensarrest in Höhe von 997.000 Euro“ gegeben, um „unrechtmäßig erworbenes Geld zu sichern“. Das Geld stammt wohl zu größeren Teilen aus Maskengeschäften. Woher sonst auch soll ein 36-Jähriger so viel Geld haben in einem Bundesland, in dem Erbschaften allenfalls bescheiden ausfallen?

Im Kontext der Fälle Georg Nüsslein und Alfred Sauter (beide CSU) geht es dem Vernehmen nach um 5 bis 6 Millionen Euro, bei ihrem Parteifreund Peter Gauweiler um sage und schreibe 11 Millionen – auch wenn er nicht mit Masken handelte, sondern mit seinem Einsatz gegen die Finanzpolitik der Europäischen Union.

Ein knappes Dutzend

Damit sind ein knappes Dutzend Unionspolitiker in den Verdacht der Korruption oder anderer unsauberer Geschäfte geraten – eine Skandalserie mit Folgen. Zunächst ist klar, dass es sich um mehr als die berühmten Einzelfälle handelt.

Auch geht es nicht um Hinterbänkler. Sauter war ein enger Vertrauter des ehemaligen CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer, Gauweiler war einer von Seehofers Stellvertretern und sollte die rechte Flanke der Partei stärken. Beide haben jahrzehntelange Karrieren in der CSU hinter sich, sind als affärenbelastet bekannt – und arbeiten als Anwälte in derselben Kanzlei.

Überdies haben CDU und CSU stets alles getan, um Nebentätigkeiten zu ermöglichen. All das hängt der Union im Bundestagswahlkampf nun bleischwer an den Füßen.

CDU und CSU – in den Umfragen im freien Fall – haben noch ein halbes Jahr Zeit, um die für sie lebensgefährlichen Skandale abzuschütteln. Jeder weitere Skandal bringt sie einer Wahlniederlage näher.

Von Markus Decker/RND