Mittwoch , 28. September 2022
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Russische Hacker haben offenbar Abgeordnete des Bundestags und mehrerer Landtage attackiert. Quelle: Jens B��ttner/dpa-Zentralbild/dp

Hacker attackieren Abgeordnete: Attacke offenbar russischen Ursprungs

Berlin. Russische Hacker haben offenbar Abgeordnete des Bundestags und mehrerer Landtage attackiert. Eine entsprechende Meldung des „Spiegels“ und des WDR wurde dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) bestätigt. Die Hacker sollen demnach sogenannte Phishing-Mails an die privaten E-Mail-Adressen der Politikerinnen und Politiker verschickt haben. Darin soll ein Text in deutscher Sprache enthalten gewesen sein und ein Link, der zu einer Website führt, die mit Schadsoftware präpariert ist. Einige dieser E-Mail-Konten sollen erfolgreich kompromittiert worden sein.

Es handele sich um sieben Abgeordnete des Bundestags aus der Unions- und SPD-Fraktion sowie um 31 Abgeordnete mehrerer Landtage. Auch politische Aktivisten in Hamburg und Berlin sollen betroffen sein.

Laut Bundestagsverwaltung habe es „nach den bislang vorliegenden Informationen keinen unmittelbaren Angriff auf die Infrastruktur des Deutschen Bundestages gegeben“. Das Bundesamt für Verfassungsschutz und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik hatten „zeitnah“ Kenntnisse über die Attacke und informierten die Bundestagsverwaltung sowie die betroffenen Abgeordneten. Vor entsprechenden E-Mails wurde gewarnt.

Die Behörden vermuten russische Hacker hinter dem Angriff. Wahrscheinlich, so die Experten, gehöre der Angriff zur Cyberkampagne Ghostwriter, die von staatlichen Stellen in Russland koordiniert wird – die Rede ist vom Militärgeheimdienst GRU. Ziel von Ghostwriter sei es, Politiker gezielt zu desinformieren und zu kompromittieren.

Der Name Ghostwriter stammt vom US-Sicherheitsunternehmen Fire Eye. Die Gruppe, so haben die Fire-Eye-Experten recherchiert, stand bisher eher hinter Desinformationskampagnen russischen Ursprungs. Seit 2017 sind Bundeswehrsoldaten im Rahmen einer Nato-Präsenz in Litauen stationiert. Sofort begannen damals russische Falschmeldungsproduzenten, kompromittierende Geschichten über die Bundeswehr in Umlauf zu bringen.

Warum Ghostwriter nun offenbar Abgeordnetenmailkonten hackt, konnten die Experten nicht beantworten. Im Vergleich zu vorigen Hackerangriffen nimmt sich dieser eher klein aus.

Anderen Gruppen, die ebenfalls mit russischen Geheimdiensten verbunden sein sollen, gelang es in der Vergangenheit, die Sicherheitssysteme des Bundestags zu überwinden.

Im Frühjahr 2015 war das IT-System des Bundestages gehackt worden, mehrere Gigabyte an Daten flossen ab. Betroffen war damals unter anderem das E-Mail-Postfach im Abgeordnetenbüro von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Für den Angriff wird der russische Militärgeheimdienst GRU und dessen Einheit Fancy Bear verantwortlich gemacht.

Von Jan Sternberg, Markus Decker/RND