Mittwoch , 28. September 2022
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Jordaniens König Abdullah II. bin Al-Hussein während einer Pressekonferenz im Bundeskanzleramt. Der jordanische Prinz Hamsa bin Hussein ist nach eigenen Angaben unter Hausarrest gestellt worden - im Rahmen eines angeblichen Durchgriffs gegen Kritiker von König Abdullah II. Quelle: Kay Nietfeld/dpa

Jordanien: Prinz Hamsa nach eigenen Angaben unter Hausarrest gestellt

Amman. Der jordanische Prinz Hamsa ist nach eigenen Angaben unter Hausarrest gestellt worden. In einer der britischen BBC zugeleiteten Videomitteilung erklärte der Halbbruder von König Abdullah II., der Militärchef sei am Samstagmorgen zu ihm gekommen und habe ihm gesagt, er dürfe das Haus nicht verlassen, mit anderen Personen kommunizieren und niemanden treffen.

Telefon- und Internetverbindungen seien gekappt worden, er verbreite diese Mitteilung über Satelliten-Internet. Er rechne aber damit, dass auch dieses demnächst für ihn gesperrt werde. Die BBC teilte mit, sie habe die Mitteilung über Hamsahs Anwalt erhalten.

Kronprinz beklagt Korruption und Regierungsversagen

Darin sagt der Prinz, die Maßnahmen gegen ihn seien damit begründet worden, dass er an Treffen teilgenommen habe, auf denen der König kritisiert worden sei. Er sei aber nicht deswegen direkt beschuldigt worden. Er habe dem Militärchef gesagt: „Ich bin nicht die Person, die für den Zusammenbruch der Staatsführung verantwortlich ist, für Korruption und Unfähigkeit, die in unserer Regierungsstruktur seit 15 bis 20 Jahren vorherrscht und jedes Jahr schlimmer wird. Ich bin nicht verantwortlich für den Mangel an Vertrauen, den die Leute in ihre (Regierungs-) Institutionen haben. Sie sind verantwortlich.“

Generalstabschef Jussef Huneiti hatte vor Bekanntwerden des Video-Statements dementiert, dass Hamsa - dem 2004 der Titel „Kronprinz“ entzogen wurde - unter Hausarrest stehe. Die Behörden bestätigten aber die Verhaftung mehrerer ranghoher Persönlichkeiten im Umfeld der Königsfamilie. General Huneiti sage, Hamsa sei gebeten worden, Aktivitäten zu beenden, die gegen Jordaniens Sicherheit und Stabilität zielten. „Niemand steht über dem Gesetz“, sagte er der staatlichen Nachrichtenagentur Petra. Ermittlungen liefen noch. Die Ergebnisse davon würden „in einer transparenten und deutlichen Form“ öffentlich gemacht.

Zuvor war gemeldet worden, dass zwei frühere ranghohe Vertreter des jordanischen Königspalasts sowie weitere Personen festgenommen worden seien. Scharif Hassan bin Said, der frühere Gesandte für Saudi-Arabien, und Bassem Ibrahim Awadallah, der frühere Chef des Hofstaats, seien aus „Sicherheitsgründen“ in Gewahrsam genommen worden, berichtete Petra. Awadallah war zuvor auch Planungs- und Finanzminister. Die Namen der anderen Festgenommenen nannte Petra nicht.

RND/AP