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Peter Tauber (CDU), scheidender Parlamentarischer Staatssekretär im Verteidigungsministerium und Schöpfer des neuen Dienstes. Quelle: imago images/photothek

Neuer Bundeswehr-Freiwilligendienst: Ein Dienst, der Sinn macht

Berlin. Auf den ersten Blick fragt man sich, was der neue Freiwillige Wehrdienst im Heimatschutz eigentlich bringt. Schließlich gibt es ja bereits einen Freiwilligen Wehrdienst (ohne den Zusatz Heimatschutz) – sowie einen Bundesfreiwilligendienst, der den Zivildienst nach Aussetzung der Wehrpflicht in Teilen ersetzen sollte. Abgesehen davon freilich, dass der neue Dienst maximal sieben Monate dauert und die Dienstleistenden nicht ins Ausland entsandt werden, liegen zwei Vorteile auf der Hand.

Der erste Vorteil besteht darin, dass die frischen Kräfte wie ein Bypass funktionieren - aus der Gesellschaft in die Bundeswehr hinein. Sie gerät so weniger in die Gefahr, sich zu isolieren. Die Umwandlung in eine Berufsarmee vor bald zehn Jahren hat der Truppe jedenfalls nicht gut getan. Das sieht man etwa an den zahlreichen Rechtsextremismus-Skandalen und der Art des Umgangs mit ihnen.

So ordnete der Kommandeur des einschlägig bekannten Kommandos Spezialkräfte (KSK) eine Amnestie für Soldaten an, die unerlaubt Waffen verschwinden ließen. Dies war bis hinauf zum Generalinspekteur bekannt, wurde aber nicht öffentlich gemacht. Hier präsentiert sich die Bundeswehr als Staat im Staate.

Der zweite Vorteil des neuen Dienstes besteht darin, dass er die Streitkräfte entlasten kann – so wie jetzt in der Corona-Pandemie, in der rund 11.000 Soldatinnen und Soldaten in Alten- und Pflegeheimen oder Impfzentren aktiv sind. Das können zwar auch reguläre Truppenteile. Doch normalerweise sollte derlei Amtshilfe die Ausnahme sein und nicht die Regel.

Überhaupt kann wohlverstandener Patriotismus diesem Land nur nutzen. Insofern hat der neue Dienst auch einen übergeordneten Sinn. Der große Andrang spricht jedenfalls für sich.

Von Markus Decker/RND