Waldsterben nahe des mittelhessischen Grünberg im Landkreis Gießen. Quelle: imago images/Oliver Vogler

Die Zukunft des Waldes liegt nicht mehr im Nutzforst

Berlin. Der Dichter Wilhelm Busch ist der Lieblingsgegner der deutschen Waldbesitzer. Nun ja, nach Dürre, Feuer, Sturm und dem Borkenkäfer. „Am besten hat’s die Forstpartie, denn der Wald wächst auch ohne sie“, lästerte Busch über Waldeigentümer, die nach Generationen ernten, was ohne Zutun wuchs. Diese Zeiten sind vorbei.

Ein radikaler Umbau – also von der Wurzel aus

Der Wald ist todkrank. Er braucht einen radikalen Umbau im wahrsten Sinne des Wortes, also von der Wurzel ausgehend. Um gegen künftige Hitze- und Dürresommer, Stürme und andere Wetterextreme gewappnet zu sein, steht jetzt eine Experimentierphase an. Wie alles im Wald dauert diese Phase Jahrzehnte. Zum Glück läuft sie bereits.

Die Fichten- und Kiefernplantagen gehören mehr und mehr der Vergangenheit an, lichte, durchmischte Wälder sollen sie ersetzen. Staatsforsten haben es da einfacher als die private „Forstpartie“, die auch nach einem Totalschaden versucht ist, wieder eine Monokultur anzupflanzen.

Im zweiten Lockdown-Frühling sind die Wälder der Nachbarschaft wieder zu unfreiwilligen Urlaubsorten geworden. Ihr Anblick erschreckt viele. Tiefe Spuren haben die schweren Forstfahrzeuge im schlammigen Boden hinterlassen, große Flächen sind kahl – nicht aus Geldgier, sondern aus Not, weil die Bäume geschädigt waren.

Auch nach dem Ende der Pandemie werden unsere Wälder immer stärker Erholungswälder sein. Und der Wald der Zukunft wird ein Klimawald sein. Der Forstwirtschaftsrat fordert jetzt dauerhafte Staatshilfen – beziehungsweise das „Honorieren von Ökosystemleistungen“. Die Forderung ist doppelt richtig.

Erstens, weil die akuten Schäden von 13 Milliarden Euro im deutschen Wald viele kleine und mittlere „Forstpartien“ überfordern, zweitens, weil in den Jahrzehnten des Experimentierens mit dem Wald der Zukunft ökonomischer Druck von den Besitzern genommen werden muss. Der Wert des Waldes ist unschätzbar hoch. Wir sollten etwas für ihn übrig haben.

Von Jan Sternberg/RND