Anzeige
Der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin, Gernot Marx, sagt: „Wir müssen jetzt dringend eine bundeseinheitliche Lösung durchsetzen und vor allem praktisch umsetzen, um die dritte Welle von Covid-Patienten auf den Intensivstationen zu brechen.“ Quelle: Getty Images

Infektionsschutz – „Es ist keine Zeit für Diskussionen“

Kommt die Verschärfung des Infektionsschutzgesetzes überhaupt noch rechtzeitig, um eine Überlastung der Intensivstationen zu vermeiden?

Wir müssen das Infektionsgeschehen schnellstens unter Kontrolle bekommen. Deshalb brauchen wir die bundesweite Notbremse – besser gestern als heute. Schon seit vielen Wochen fordern wir diese Maßnahme. Intensivmediziner und Pflegekräfte arbeiten jeden Tag am Limit, und wir müssen die anhaltende Überlastung der Stationen vermeiden! Die Patientenzahlen auf den Intensivstationen würden auch nach dem Inkrafttreten der im Gesetzentwurf formulierten Maßnahmen noch 14 Tage weiter ansteigen – nach derzeitigen Prognosen der Divi wird dies zu mehr als 6000 Intensivpatienten führen.

Es gibt erhebliche verfassungsrechtliche Bedenken, was passiert, wenn sich das Gesetz verzögert oder gekippt wird.

Aus Sicht der Intensivmedizin begrüßen wir die geforderten Maßnahmen und halten sie für geeignet, das Infektionsgeschehen zu reduzieren und somit eine immer weiter zunehmende Überlastung der Intensivstationen zu verhindern.

Die Politik scheitert in der MPK und braucht Wochen für ein Gesetz – zugleich marschieren Zehntausende Corona-Leugner ohne Einhalt durch die Polizei durch die Straßen. Wie sehr erschüttert das das Vertrauen von Medizinern und Pflegern, die täglich um Leben und Tod kämpfen, in die Politik?

Wir haben kein Verständnis für Detaildiskussionen, ob eine einzelne Maßnahme sinnvoll ist oder nicht. Darum geht es aktuell nicht. Wir müssen jetzt dringend eine bundeseinheitliche Lösung durchsetzen und vor allem praktisch umsetzen, um die dritte Welle von Covid-Patienten auf den Intensivstationen zu brechen. Anschließend können einzelne Maßnahmen immer noch diskutiert, korrigiert oder verschärft werden. Es ist momentan keine Zeit für tage- oder wochenlange Diskussionen – jetzt ist höchste Zeit zu handeln. Jetzt ist Pandemie, jetzt ist Krise. Um es deutlich zu sagen: Wir brauchen am besten noch heute pragmatische Lösungen, die bundeseinheitlich in die Tat umgesetzt werden.

Von Kristina Dunz/RND