CDU-Chef Armin Laschet. Quelle: imago images/sepp spiegl

Nach stundenlanger Sitzung: CDU-Vorstand spricht sich für Laschet als Kanzlerkandidaten aus

Berlin. Im Machtkampf mit CSU-Chef Markus Söder um die Kanzlerkandidatur der Union hat sich der Vorstand der CDU nach stundenlanger Sitzung für Parteichef Armin Laschet ausgesprochen. 31 von 46 Stimmberechtigten hätten in der geheimen Wahl für Laschet gestimmt, neun für Markus Söder, es gab sechs Enthaltungen, teilte ein Parteisprecher mit.

Damit stimmten 77,5 Prozent für den CDU-Chef Laschet und 22,5 Prozent für den CSU-Chef Söder.

Söder hatte die Entscheidung am Montag in die Hand der Schwesterpartei gelegt. Die CDU entscheide jetzt „souverän“, sagte er in München nach einer CSU-Präsidiumssitzung. „Wir als CSU und auch ich respektieren jede Entscheidung.“

In der Sondersitzung des CDU-Bundesvorstands am Abend prallten Unterstützer von Laschet und von Söder aufeinander – mit offenem Ausgang. Stundenlang wurde diskutiert – auch über die Frage, ob überhaupt noch am Abend abgestimmt werden sollte.

Laschet plädierte für eine Entscheidung noch in der laufenden Vorstandssitzung. Nachdem der Berliner CDU-Chef Kai Wegner dafür geworben hatte, die Entscheidung zu verschieben und ein Votum der Bundestagsfraktion und der Kreisvorsitzenden herbeizuführen, betonte Laschet nach Teilnehmerangaben: „Wir sollten heute entscheiden, wie wir es uns am Anfang vorgenommen haben.“ Die Berliner CDU hatte sich klar für Söder positioniert.

Laschet: „Sind in der Verantwortung, ein Zeichen zu setzen“

Schließlich entschied man sich für eine Abstimmung weit nach Mitternacht.

Laschet hatte zum Auftakt des Onlinesondertreffens seine Bereitschaft zur Kanzlerkandidatur bekräftigt. „Es geht um die besten Antworten auf die drängenden Zukunftsfragen. Und ich bin bereit, für uns die Kandidatur zu übernehmen“, sagte er nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. „Wir sind heute in der Verantwortung, ein Zeichen zu setzen, wo der Wahlkampf hingeht.“

Seit vorvergangenem Sonntag hatten sich Laschet (60) und Söder (54) eine zunehmend härter werdende Auseinandersetzung geliefert. Dabei führte Söder immer wieder – auch am Montag – seine erheblich besseren Umfragewerte ins Feld, aus denen er größere Erfolgsaussichten bei der Bundestagswahl am 26. September ableitet.

Seinen vorläufigen Höhepunkt fand der Machtkampf in der Nacht zum Montag, als Laschet und Söder in einem Bundestagsgebäude rund dreieinhalb Stunden im kleinen Kreis miteinander verhandelten. Auch dieses Gespräch blieb aber ohne Einigung.

Die Union steht nicht nur wegen der internen Folgen des Streits fünf Monate vor der Bundestagswahl maximal unter Druck. Hinzu kommt, dass die Grünen – nach aktuellen Umfragen stärkste Kraft hinter der Union – Parteichefin Annalena Baerbock als ihre Kanzlerkandidatin präsentierten. Dass für die SPD Olaf Scholz antritt, steht seit Längerem fest. Einzig die Union, die mit Angela Merkel seit fast 16 Jahren die Kanzlerin stellt, hat diese Personalie wegen des internen Streits noch nicht entschieden.

RND/kd/dpa