Joe Biden, Präsident der USA, spricht nach der Urteilsverkündung im Mordprozess gegen den ehemaligen Polizeibeamten Derek Chauvin im Weißen Haus. Nach dem Schuldspruch wegen der Tötung des Afroamerikaners George Floyd hat Biden eindringlich zu einem weiteren Kampf gegen Rassismus und Polizeigewalt aufgerufen. Struktureller Rassismus sei "ein Schandfleck auf der Seele unserer Nation", sagte Biden. Quelle: Evan Vucci/AP/dpa

Biden, Harris und Obama begrüßen Schuldspruch im Floyd-Prozess

Washington. Nach dem Schuldspruch wegen der Tötung des Afroamerikaners George Floyd hat US-Präsident Joe Biden eindringlich zu einem weiteren Kampf gegen Rassismus und Polizeigewalt aufgerufen. Struktureller Rassismus sei „ein Schandfleck auf der Seele unserer Nation“, sagte Biden am Dienstag im Weißen Haus. Mit Blick auf die Familie Floyds betonte der Präsident: „Nichts kann jemals ihren Bruder, ihren Vater zurückbringen. Aber dies kann ein riesiger Schritt vorwärts auf dem Marsch zur Gerechtigkeit in Amerika sein.“ Das reiche aber nicht aus. Nötig seien echter Wandel und echte Reformen, damit Vorfälle wie die Tötung Floyds nicht mehr geschähen.

Man dürfe nach dem Schuldspruch nicht wegschauen und denken, „unsere Arbeit ist getan“, betonte Biden. Der Präsident erinnerte an Floyds letzte Worte „I can’t breathe“ („ich kann nicht atmen“) und sagte: „Wir können diese Worte nicht mit ihm sterben lassen.“ Der Demokrat forderte den Kongress zur Verabschiedung eines nach George Floyd benannten Gesetzes für Polizeireformen auf, das allerdings an den Republikanern im Senat scheitern könnte. Biden hat den Kampf gegen den Rassismus zu einem seiner zentralen Anliegen erklärt.

„Papa hat die Welt verändert“

Im Prozess wegen der Tötung Floyds in Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota hatten die Geschworenen den weißen Ex-Polizisten Derek Chauvin in allen Anklagepunkten für schuldig befunden - der schwerwiegendste davon lautete Mord zweiten Grades ohne Vorsatz. Das genaue Strafmaß soll in acht Wochen vom Richter festgelegt werden. Biden sagte über die Tat: „Es war Mord am helllichten Tage.“ Biden telefonierte am Dienstag auch mit Floyds Angehörigen. Biden sagte nach eigenen Angaben in einem Telefonat mit Floyds junger Tochter Gianna. „Ich habe ihr heute Nachmittag gesagt: Papa hat die Welt verändert.“

US-Vizepräsidentin Kamala Harris hat nach dem Urteil Reformen angemahnt, um strukturellen Rassismus in den USA zu überwinden. Die institutionalisierte Diskriminierung sei nicht nur ein Problem des schwarzen Amerikas oder anderer Minderheiten, sagte Harris am Dienstagabend (Ortszeit) im Weißen Haus im Beisein von US-Präsident Joe Biden, der sich im Anschluss äußerte. „Es ist ein Problem für jeden Amerikaner. Denn es hält uns davon ab, das Versprechen von Freiheit und Gerechtigkeit für alle zu erfüllen. Und es hält unsere Nation davon ab, unser volles Potenzial auszuschöpfen.“

Der Schuldspruch gegen den weißen Ex-Polizisten Derek Chauvin lasse aufatmen, sagte Harris. Nach dem Urteil der Jury in Minneapolis müsse die Arbeit aber weitergehen. „Wir müssen immer noch das System reformieren“, sagte Harris. Die Aufgabe der Vereinigten Staaten sei es nun, George Floyds Vermächtnis und ihn als Person zu ehren.

Obama: Verurteilung nur ein Schritt im Kampf für Gerechtigkeit

Der frühere US-Präsident Barack Obama hat den Schuldspruch gegen den ehemaligen Polizeibeamten Derek Chauvin wegen der Tötung von George Floyd als korrekt bezeichnet. Die Verurteilung von Chauvin sei aber nur ein Schritt im Kampf für Gerechtigkeit, teilte Obama am Dienstag (Ortszeit) mit. „Für wahre Gerechtigkeit müssen wir die Tatsache begreifen, dass schwarze Amerikaner, jeden Tag, anders behandelt werden“, teilte Obama in einer Stellungnahme von ihm und seiner Frau Michelle Obama bei Twitter mit. Millionen hätten Angst, „dass ihre nächste Begegnung mit den Strafverfolgungsbehörden ihre letzte sein könnte“.

Der 46 Jahre alte Floyd war am 25. Mai vergangenen Jahres in Minneapolis bei einer Festnahme ums Leben gekommen. Videos dokumentierten, wie Polizisten den unbewaffneten Mann zu Boden drückten. Chauvin presste dabei sein Knie gut neun Minuten lang auf Floyds Hals, während dieser flehte, ihn atmen zu lassen. Floyd verlor der Autopsie zufolge das Bewusstsein und starb wenig später. Die Beamten hatten ihn wegen des Verdachts festgenommen, mit einem falschen 20-Dollar-Schein bezahlt zu haben.

RND/dpa