Teilnehmer einer Demonstration zur Unterstützung des inhaftierten Oppositionsführers Nawalny. Quelle: Victor Berezkin/AP/dpa

Nawalny-Proteste: Menschenrechtler kritisieren Festnahmen

Moskau. Menschenrechtler haben zahlreiche willkürliche Festnahmen bei Protesten gegen die Inhaftierung des Kremlgegners Alexej Nawalny in ganz Russland kritisiert. Zwar habe es bei den Kundgebungen am Mittwoch weniger Polizeigewalt gegeben als bei den Aktionen Anfang des Jahres, teilte die Organisation Human Rights Watch am Donnerstag mit. „Doch das harte Vorgehen der Behörden gegen die Versammlungsfreiheit ist völlig ungerechtfertigt.“

Laut dem Bürgerrechtsportal ovdinfo.org wurden bei den nicht genehmigten Demos in insgesamt fast 100 russischen Städten mehr als 1700 Menschen festgenommen.

Trotz Warnungen der Behörden gingen im flächenmäßig größten Land der Erde Zehntausende Menschen auf die Straßen, um ihre Solidarität mit dem in einem Straflager inhaftierten Nawalny zu zeigen. Der 44 Jahre alte Oppositionelle, der im vergangenen Jahr nur knapp einen Giftanschlag überlebte, ist seit drei Wochen im Hungerstreik, um so eine Behandlung von einem unabhängigen Arzt zu erwirken. Er klagt über Rückenschmerzen und Lähmungserscheinungen in den Gliedmaßen.

Empören über Festnahme von Pressesprecherin

Vor den Demonstrationen hatte die Polizei mehrere Nawalny-Unterstützer festgenommen und Büroräume seiner Mitarbeiter durchsucht. Für besondere Empörung sorgte das Vorgehen gegen Nawalnys Pressesprecherin Kira Jarmysch, die laut ihrer Anwältin für zehn Tage in Haft muss. Ihr werde vorgeworfen, im Internet zu den nicht genehmigten Protesten aufgerufen zu haben - obwohl sie seit Wochen im Hausarrest sitze und dort gar keinen Zugang zum Internet habe.

RND/dpa