Jan Josef Liefers steuerte ein Video zur Aktion "Alles dichtmachen“ bei. Quelle: Guido Kirchner/dpa

#allesdichtmachen: Schauspieler kritisieren auf Youtube Corona-Maßnahmen

„Alles dichtmachen“ – ein Appell, der während der vergangenen Monate der Pandemie immer mal wieder bei Twitter in den Trends landete. Seit Donnerstagabend macht ein Youtube-Kanal mit diesem Namen von sich reden. Mehr als 50 Videos wurden binnen fünf Stunden auf den Kanal hochgeladen.

Zu sehen sind in den kurzen Clips namhafte deutsche Schauspieler wie Jan Josef Liefers, Ulrich Tukur, Richy Müller und Wotan Wilke Möhring. Ihre Videoinhalte sind unterschiedlich, ihre Botschaft ist hingegen sehr ähnlich: In satirischem Ton kritisieren sie Politik, Gesellschaft und Corona-Regeln.

Wie die Aktion koordiniert wurde, war zunächst nicht bekannt. Im Impressum der Website zur Aktion ist die Münchner Produktionsfirma „Wunder Am Werk GmbH“ als verantwortliches Unternehmen angegeben.

Die Hashtags #allesdichtmachen, #niewiederaufmachen und #lockdownfürimmer wurden am Abend binnen kurzer Zeit zu den am meisten verwendeten bei Twitter in Deutschland – auch am Freitag erhitzt das Thema auf der Kurznachrichtenplattform die Gemüter.

„Schließen Sie ausnahmslos jede menschliche Wirkungsstätte und jeden Handelsplatz“, fordert etwa Tukur die Bundesregierung auf. „Nicht nur Theater, Cafés, Schulen, Fabriken, Buchhandlungen, Knopfläden nein, auch alle Lebensmittelläden, Wochenmärkte und vor allem auch all die Supermärkte.“ Und er fügt hinzu: „Sind wir erst am Leibe und nicht nur an der Seele verhungert und allesamt mausetot, entziehen wir auch dem Virus und seiner hinterhältigen Mutantenbagage die Lebensgrundlage.“

Liefers bedankt sich in seinem Clip mit ironischem Unterton „bei allen Medien unseres Landes, die seit über einem Jahr unermüdlich verantwortungsvoll und mit klarer Haltung dafür sorgen, dass der Alarm genau da bleibt, wo er hingehört, nämlich ganz, ganz oben“.

Richy Müller atmet in seinem Clip abwechselnd in zwei Tüten und kommentiert ironisch: „Wenn jeder die Zwei-Tüten-Atmung benutzen würde, hätten wir schon längst keinen Lockdown mehr. Also bleiben Sie gesund und unterstützen Sie die Corona-Maßnahmen. Ich geh jetzt mal Luft holen.“

Auch „Tatort“-Schauspieler Martin Brambach spricht in einem Kurzvideo. „Ich bin Schauspieler und habe im letzten Jahr angefangen, solidarisch mit dem Finger auf andere Leute zu zeigen. Ich bin ein eher unsicherer Mensch und brauche klare Regeln und es tut mir gut, wenn ich andere darauf hinweisen kann, was sie falsch machen.“ Ein Video von Heike Makatsch war nach wenigen Stunden nicht mehr abrufbar.

Die Kunst- und Kulturszene leidet seit mehr als einem Jahr schwer unter den Corona-Maßnahmen. Laut dem Bundesverband Schauspiel (BFFS) etwa haben viele der Schauspielerinnen und Schauspieler in Deutschland seit März 2020 kaum Einkommen. Dem Verband zufolge leben zwei Drittel bis drei Viertel aller Schauspielerinnen und Schauspieler von Gastverpflichtungen an Theatern, die aktuell nicht oder kaum arbeiten können. In Deutschland gibt es insgesamt etwa 15.000 bis 20.000 Schauspieler.

RND/liz/dpa