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Claus Weselsky, Vorsitzender der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL).

Bahntarife: Weselsky zeigt sich streikbereit, doch Gespräche gehen weiter

Berlin. In der zweiten Runde der Tarifverhandlungen mit der Deutschen Bahn (DB) hat die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) ihre Forderungen nach deutlichen Lohnsteigerungen bekräftigt und sich streikbereit gezeigt. Die Gewerkschaft hatte in der ersten Runde vergangene Woche laut Bahn einen 58 Punkte umfassenden Forderungskatalog vorgelegt. Dazu gehören 4,8 Prozent mehr Geld sowie eine Corona-Prämie in Höhe von 1300 Euro. DB und GDL kamen überein, in Sondierungsgesprächen über die Punkte Entgelt, Arbeitszeit und Altersvorsorge sowie weitere Forderungen zu sprechen. Am 17. Mai soll weiterverhandelt werden

Wir möchten uns zunächst mit den wirtschaftlichen Fakten auseinandersetzen“, sagte Personalvorstand Martin Seiler. Es gehe zum einen um die Größe der Schäden sowie die Gegenmaßnahmen „und zum Zweiten natürlich auch um die Bewertung der Forderungen der GDL“. Die Bahn geht von einer Steigerung der Personalkosten von mindestens 64 Prozent aus, wenn alle GDL-Forderungen eingerechnet werden – darunter Sicherheitspersonal für jeden Zugbegleiter, Zulagen und bessere Altersvorsorge.

Weselsky spricht vom „Lumperladen“ Bahn

Weselsky zeigte sich gewohnt kämpferisch und attackierte die konkurrierende größere EVG frontal: „Wir werden in den Betrieben mehr Mitglieder haben als irgendjemand anderes. Diese Eisenbahnerschaft braucht eine bessere Interessenvertretung. Abnicken, zustimmen, den Lumperladen so weiterlaufen lassen – nicht mit uns“.

Wenn die DB nur 1,5 Prozent mehr Gehalt anböte, wie mit der EVG vergangenes Jahr vereinbart, sei man „sofort“ zum Streik bereit, sagte Weselsky.

Bahnvorstand Seiler bezeichnete den Forderungskatalog der GDL als „selbst in den besten Zeiten“ nicht realisierbar.

Beide Seiten zeigten sich generell für eine dritte Verhandlungsrunde offen.

Von Jan Sternberg/RND