Swetlana Tichanowskaja, belarussische Oppositionsführerin. Quelle: Raul Mee/Estonian Presidential P

Oppositionspolitikerin Tichanowskaja fordert internationale Konferenz zur Situation in Belarus

Minsk. Die belarussische Bürgerrechtlerin Swetlana Tichanowskaja hat vor einem Gremium des US-Repräsentantenhauses eine internationale Konferenz zur Lage in ihrem Heimatland nach den Massenprotesten gegen Machthaber Alexander Lukaschenko gefordert.

„Lukaschenko versucht, auf Zeit zu spielen, damit jeder Belarus vergisst“, sagte sie am Donnerstag bei der Anhörung. Die ganze Welt müsse auf die Krise in der Ex-Sowjetrepublik aufmerksam gemacht werden.

„Nicht nur internationale Solidarität ist wichtig, sondern auch konkretes Handeln“, meinte die Oppositionelle, die ins Ausland geflohen war.

Nach der weithin als gefälscht geltenden Präsidentenwahl am 9. August vergangenen Jahres hatten zeitweise Hunderttausende Menschen den Rücktritt Lukaschenkos und Neuwahlen gefordert.

Der Autokrat hatte sich mit 80,1 Prozent der Stimmen zum Wahlsieger erklären lassen. Bei den Protesten wurden mehr als 30.000 Menschen vorübergehend festgenommen worden. Zuletzt gab es nur noch vereinzelt kleinere Protestaktionen.

Forderung an USA

Bei der Anhörung, zu der sie per Video zugeschaltet war, forderte Tichanowskaja die USA auf, sich weiter für eine politische Isolation Lukaschenkos einzusetzen. Der 66-Jährige stützt sich noch auf Russland als wichtigsten Verbündeten. Zudem müsse der US-Kongress die Zivilgesellschaft in Belarus, Menschenrechtler und unabhängige Medien unterstützen, schrieb die 38-Jährige in ihrem Telegram-Kanal.

„Seit fast einem Jahr fragen mich meine Kinder jeden Tag, wo ihr Vater ist und wann er zurück sein wird“, meinte die Bürgerrechtlerin, die bei der Präsidentenwahl anstelle ihres inhaftierten Ehemannes Sergej Tichanowski angetreten war. „So leben Tausende von Familien in Belarus: Sie leiden jeden Tag unter den Unterdrückungen.“

RND/dpa