Der Corona-Impfstoff von Astrazeneca steht im Impfzentrum des Landkreises Vorpommern-Greifswald. Quelle: Stefan Sauer/dpa

EU will Vertrag mit Astrazeneca nicht verlängern

Nach Juni wird es keine Lieferungen des Astrazeneca-Vakzins in die EU mehr geben. Der Vertrag mit dem Impfstoffhersteller werde laut Binnenmarktkommissar Thierry Breton nicht verlängert. „Wir haben die Bestellung nicht über den Monat Juni hinaus erneuert“, sagte er dem französischen Radiosender France Inter. „Wir werden sehen. Wir schauen, was passiert.“

Breton äußerte sich jedoch positiv zur Qualität des Impfstoffs des britisch-schwedischen Herstellers. „Das ist ein guter Impfstoff“, sagte er.

EU will globale Impfstoffversorgung verbessern

Zur Versorgung armer Länder mit Corona-Impfstoff setzt die Europäische Union auf den Abbau von Exportschranken und eine höhere Produktion – aber erst mal nicht auf die Freigabe von Patenten. Dies wurde am Wochenende beim EU-Gipfel in Portugal deutlich. Bundeskanzlerin Angela Merkel erteilte der Aufweichung von Rechten geistigen Eigentums eine klare Absage. Im Unterschied zu den meisten anderen Staats- und Regierungschefs nahm Merkel nur per Videoschalte an dem Treffen teil.

Am Samstag berieten die Staats- und Regierungschefs zudem per Video mit dem indischen Ministerpräsidenten Narendra Modi, vereinbarten den Neuanfang von Handelsgesprächen und sagten Indien Beistand angesichts der dort verheerenden Corona-Lage zu. In dem Land mit mehr als 1,3 Milliarden Einwohnern sterben aktuell jeden Tag mehr als 4000 Menschen an dem Virus. Befürchtet wird, dass die tatsächliche Zahl noch viel höher liegt.

„Die EU steht in dieser schwierigen Zeit in voller Solidarität an der Seite Indiens“, sagte EU-Ratschef Charles Michel. Man habe auch über Zusammenarbeit beim Impfen gesprochen. „Covid ist seit Generationen die größte Herausforderung für die globale Solidarität. Der einzige Ausweg ist die Immunisierung der Weltbevölkerung.“

Merkel: Patentfreigabe nicht die Lösung

Bisher sind in ärmeren Ländern jedoch nur sehr wenige geimpft. US-Präsident Joe Biden hatte sich nun überraschend hinter die Forderung gestellt, Patente zeitweise aufzuheben. Dann könnten weitere Hersteller ohne Lizenzgebühren produzieren. Auch Papst Franziskus sprach sich dafür aus. Dagegen stemmen sich die Pharmafirmen, die die Rechte besitzen.

Auch Merkel sagte, das sei nicht die Lösung, um mehr Menschen Impfstoff zur Verfügung zu stellen: „Ich glaube, dass wir die Kreativität und die Innovationskraft der Unternehmen brauchen.“ Andere EU-Staaten zeigten sich offener. Doch sieht die EU insgesamt ebenfalls keine „Wunderlösung“ in der Patentfreigabe, wie Ratschef Michel sagte. Wichtig sei, Impfstoffexporte zuzulassen.

Gemeint sind mit diesem Hinweis auch die USA, die ihre heimische Produktion vorrangig selbst behalten. Die EU ist nach eigener Darstellung derzeit die einzige demokratische Region, die im großen Maßstab Corona-Impfstoff ausführt. Von 400 Millionen hier produzierten Dosen sei die Hälfte exportiert worden.

RND/fw mit Material der dpa