Die Parteivorsitzenden Susanne Hennig-Wellsow und Janine Wissler. Quelle: imago images/Political-Moments

Wahlparteitag: Die Linke kann zufrieden sein

Berlin. Die linken Spitzenkandidaten Janine Wissler und Dietmar Bartsch hatten am Sonntag vor allem mit dem Schweiß zu kämpfen, der ihnen nach den eigenen Reden herunterrann wie Wasser. Das hatte Symbolkraft. Allerdings hat die Partei, die sich zuletzt wieder selbst ins Schwitzen brachte, am Wochenende Tritt gefasst. Sie kann mit dem Verlauf des Wahlprogrammparteitages zufrieden sein.

In den vergangenen Wochen war die Linke in Nordrhein-Westfalen und im Saarland erneut durch hanebüchene Disziplinlosigkeiten aufgefallen – Disziplinlosigkeiten, die sich in dieser Form keine andere demokratische Partei leistet. Dabei gehört zu den ehernen Gesetzen der parlamentarischen Demokratie: Nur wer geschlossen ist, der wird auch gewählt. Überdies hatten die Parteivorsitzenden offenkundige Startschwierigkeiten. Insbesondere Susanne Hennig-Wellsow gab Interviews, die sie besser nicht gegeben hätte.

Jetzt tat Hennig-Wellsow der Linken einen wertvollen Dienst, als sie Oskar Lafontaine einen Mäßigungsbesuch abstattete. Das Spitzenkandidatenduo Janine Wissler und Dietmar Bartsch funktioniert. Co-Fraktionschefin Amira Mohamed Ali wirkt wie Hennig-Wellsow eher nach innen. Reibungen sind nicht erkennbar. Und das Wahlprogramm fand mit knapp 88 Prozent eine für linke Verhältnisse überzeugende Mehrheit. Sollten aus Düsseldorf oder Saarbrücken jetzt keine Querschüsse mehr kommen, müsste der Linken trotz diverser Wahlschlappen in den Ländern der Wiedereinzug in den Bundestag eigentlich gelingen.

Für eine Regierungsbeteiligung ist die Linke indes nicht bloß zu schwach, sondern mindestens außenpolitisch viel zu irrlichternd. Bereits der Gedanke, es könne dazu kommen, dürfte Janine Wissler und Dietmar Bartsch den Schweiß auf die Stirn treiben.

Von Markus Decker/RND