Sieben der neun Separatistenführer nach ihrer Entlassung aus der Haft. Quelle: imago images/Agencia EFE

Katalanische Separatisten verlassen unter Jubel das Gefängnis

Madrid. Nach ihrer Begnadigung durch die spanische Regierung haben neun katalanische Separatisten am Mittwoch das Gefängnis verlassen. Die Gruppe trat unter dem Jubel ihrer Anhänger auf die Straße und kündigte an, weiter für die Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien zu kämpfen.

Der konservative Oppositionsführer Pablo Casado forderte im Parlament den Rücktritt von Ministerpräsident Pedro Sánchez, der die Begnadigungen ohne Rücksprache mit den Abgeordneten aussprach.

„Wir sind uns bewusst, dass heute, mit unserer Entlassung aus dem Gefängnis, nichts zu Ende ist“, sagte der ehemalige katalanische Vizepräsident Oriol Junqueras in einer Ansprache vor der Strafanstalt. „Das Gefängnis macht uns keine Angst, es bestärkt uns in unseren Ideen.“

Mit Banner und Fahne in die Freiheit

Die freigelassenen Männer hielten ein kleines Banner mit der Aufschrift „Freiheit für Katalonien“ und eine katalanische Fahne in die Höhe. Sie wandten sich auf Katalan an ihre Anhänger und Angehörigen.

Neben Junqueras wurden fünf weitere ehemalige Kabinettsmitglieder, der frühere Präsident des Regionalparlaments und zwei Unabhängigkeitsaktivisten freigelassen. Sie hatten zwischen zweieinhalb und vier Jahren im Gefängnis verbracht.

Die Männer waren wegen separatistischer Bestrebungen und Veruntreuung öffentlicher Gelder im Zusammenhang mit einem Unabhängigkeitsreferendum im Jahr 2017 verurteilt worden. Auch nach ihrer Begnadigung dürfen sie vorläufig keine öffentlichen Ämter übernehmen.

Mehrheit der Spanier gegen Begnadigungen

In Umfragen sprach sich eine Mehrheit der Spanier gegen die Begnadigungen aus und auch von der konservativen Opposition und vielen Linken kam Kritik. Sánchez verteidigte die Entscheidung und erklärte, er wolle eine neue Ära des Dialogs einläuten und Brücken bauen.

Am Mittwoch kündigte sein Büro für die kommende Woche ein Treffen zwischen dem Regierungschef und dem katalanischen Regionalpräsidenten Pere Aragonès an.

Im Parlament wurden die Begnadigungen scharf kritisiert. Oppositionsführer Casado bezeichnete die Entscheidung des Ministerpräsidenten als falsch und sprach von „einem unglücklichen Tag für Spaniens demokratische Geschichte“. Das Schicksal des Landes liege nun in den Händen der Separatisten.

Vorwürf der Lüge gegen Ministerpräsident Sánchez

Casado beschuldigte Sánchez der Lüge, weil der Sozialist bei seinem Amtsantritt zugesichert hatte, gegenüber den Separatisten keine Zugeständnisse zu machen.

Katalanische separatistische Abgeordnete forderten die Regierung auf, den sogenannten schottischen Weg einzuschlagen - ein Verweis auf das Unabhängigkeitsreferendum in Schottland 2014, das von der britischen Regierung autorisiert war. Die Wähler stimmten damals für einen Verbleib im Vereinigten Königreich.

RND/AP