Mittwoch , 28. September 2022
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Der Prozess gegen ihren Ehemann hat begonnen: Swetlana Tichanowskaja, belarussische Oppositionsführerin. Quelle: Francisco Seco/AP/dpa

Belarus: Prozess gegen Ehemann von Swetlana Tichanowskaja eröffnet

Gomel. Mehr als ein Jahr nach seiner Festnahme hat in Belarus der Prozess gegen den Blogger Sergej Tichanowski begonnen, der bei der Präsidentenwahl gegen Machthaber Alexander Lukaschenko kandidieren wollte.

Seine Ehefrau Swetlana Tichanowskaja – die prominenteste Oppositionsfigur des Landes – schrieb am Donnerstag im Nachrichtenkanal Telegram, das Gericht tage unter Ausschluss der Öffentlichkeit in der Stadt Gomel. Neben dem Blogger seien fünf weitere Männer angeklagt. Tichanowski wird unter anderem die Organisation von Massenunruhen vorgeworfen.

Egal, welches Urteil gesprochen werde, „jeder versteht, dass es sich nicht um einen Prozess handelt, sondern um die persönliche Rache und Vergeltung desjenigen, der mit Gewalt die Macht ergriffen hat“, schrieb die im EU-Ausland lebende Bürgerrechtlerin Tichanowskaja, die anstelle ihres Mannes bei der Wahl kandidiert und nach Meinung vieler die Abstimmung deutlich gewonnen hatte.

„Mama, ist Papa wirklich nicht tot?“

Der Menschenrechtsgruppe Wesna zufolge sind nur Staatsmedien zu dem Prozess in einem Untersuchungsgefängnis im Osten des Landes zugelassen. Anwälte seien zur Geheimhaltung verpflichtet und dürften deshalb auch keine Angaben zu dem Prozess machen. Bilder zeigten die angeklagten Männer in einem Gitterkäfig sitzend.

Tichanowski war Ende Mai vergangenen Jahres beim Sammeln von Unterschriften für seine Kandidatur festgenommen worden. „Seitdem hat sich das Leben unserer Familie – wie das von Tausenden belarussischen Familien – stark verändert“, berichtete Tichanowskaja. Ihre Tochter habe sie gefragt: „Mama, ist Papa wirklich nicht tot?“

Nach der weithin als gefälscht geltenden Präsidentenwahl vor etwa zehn Monaten hatten zeitweise Hunderttausende Menschen gegen Langzeitmachthaber Lukaschenko protestiert. Zehntausende wurden vorübergehend festgenommen, Hunderte verletzt und mehrere getötet. Lukaschenko hatte sich mit 80,1 Prozent der Stimmen für eine sechste Amtszeit bestätigen lassen. Laut Menschenrechtlern sind in Belarus viele Menschen aus politischen Gründen inhaftiert.

RND/dpa