Samstag , 18. September 2021
Annalena Baerbock, Kanzlerkandidatin und Direktkandidatin von Bündnis 90/Die Grünen, muss sich aktuell für einen weiteren Ausrutscher erklären. In einem Interview verwendete sie das N-Wort, auf Twitter bat sie nun um Entschuldigung. Quelle: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dp

„War falsch und das tut mir leid“: Baerbock benutzt N-Wort in Interview

Berlin. Die Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock hat sich dafür entschuldigt, dass sie in einem Interview das N-Wort gesagt hat. Am vergangenen Dienstag hatte sie der Zentralrat der Juden zu einer Aufzeichnung der Sendung „Tachles Arena“ eingeladen, in der sie unter anderem über Rassismus und Antisemitismus gesprochen hatte.

Wie Baerbock nun mitteilte, hat sie während des Interviews eine Geschichte erzählt, in deren Zusammenhang sie das N-Wort verwendet hat. Der Vorfall wühle sie heute noch auf, schrieb sie auf Twitter und bat gleichzeitig um Entschuldigung: „Das war falsch und das tut mir leid. Denn ich weiß ja um den rassistischen Ursprung dieses Wortes und die Verletzungen, die Schwarze Menschen unter anderem durch ihn erfahren.“

Auf Twitter veröffentlichte sie nun auch die entsprechende Stelle aus dem Video. Darin erzählt sie von „einem Vorfall aus ihrem Umfeld“: Ein Schüler sollte eine Aufgabe bearbeiten, in der das N-Wort ausgeschrieben stand. Als er sich geweigert habe, sei ihm vorgeworfen worden, er störe den Schulunterricht.

„Leider habe ich in der Aufzeichnung des Interviews in der emotionalen Beschreibung dieses unsäglichen Vorfalls das N-Wort zitiert und damit selbst reproduziert“, schreibt Baerbock. Sie zeige das Video nun aber, um den Kontext ihrer Äußerung offenzulegen.

Weil das N-Wort als Beschimpfung und Herabsetzung Schwarzer Menschen erdacht wurde und noch heute verwendet wird, sprechen sich viele Forschende dafür aus, es nicht mehr ausgeschrieben zu nutzen, um es nicht zu reproduzieren.

Grüne wollten angeblich die Stelle aus dem Interview streichen

Wie die „Bild“ berichtet, habe Baerbock die entsprechende Stelle im Nachhinein kürzen wollen. Die Grünen-Politikerin habe die Anfrage der Zeitung nicht beantwortet und stattdessen ihr Statement auf Twitter veröffentlicht: Der Fehler sei ihr schon während der Aufzeichnung bewusst geworden, weshalb sie mit dem Zentralrat abgewogen habe, „ob das eindringliche Beispiel geeignet ist, auf die Missstände auch im Bildungsbereich hinzuweisen, oder ob die Aussprache des N-Wortes genau dieses Anliegen konterkariert“.

Baerbock machte zudem deutlich, der Fall stehe in keinem Zusammenhang zu den aus ihrer Sicht rassistischen Entgleisungen des Grünen-Politikers Boris Palmer. „Es ist offensichtlich, dass es sich um zwei verschiedene Dinge in unterschiedlichen Kontexten handelt“, betonte sie. Der Tübinger Oberbürgermeister Palmer hatte das Wort im Zusammenhang mit dem früheren Fußball-Nationalspieler Dennis Aogo genutzt – nach eigenen Angaben ironisch. Baerbock hatte daraufhin Beratungen über Palmers Parteiausschluss angekündigt.

Die gesamte Sendung soll erst am 1. August veröffentlicht werden. Der Zentralrat der Juden hatte die Spitzenkandidaten von Union, SPD, Grünen, FDP und Linken eingeladen.

RND/jw/pach/dpa