Uniformierte Polizisten stehen Demonstranten in Tunis gegenüber. Gewaltsame Proteste brachen in mehreren tunesischen Städten aus, als Demonstranten ihre Wut über die Verschlechterung des Gesundheits-, Wirtschafts- und Sozialsystems des Landes zum Ausdruck brachten. Quelle: Hassene Dridi/AP/dpa

Tunesien: Gewalt bei Protesten wegen Corona-Welle

Tunis. Bei Großprotesten gegen die Regierung ist es in Tunesien zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen. In der Hauptstadt Tunis setzten Beamte am Sonntag Tränengas ein, als aus der Menge heraus Gegenstände geworfen wurden. Es gab Festnahmen.

Die Sicherheitskräfte zeigten massiv Präsenz und sperrten alle Straßen zur Hauptverkehrsader Avenue Bourguiba. Die Straße galt als Zentrum der tunesischen Revolution, die vor gut zehn Jahren zum Sturz des autokratisch regierenden Staatschefs Zine el-Abidine Ben Ali und zu den Aufständischen des Arabischen Frühlings führten. Die Polizei schirmte auch das Areal rund um das Parlament ab, um Demonstranten fernzuhalten.

Vor allem junge Protestierende in Tunesien

Ihr Unmut richtete sich gegen Umgang der Regierung mit dem starken Anstieg der Corona-Fallzahlen sowie die ökonomische und soziale Lage im Land. Lautstark forderten die überwiegend jungen Protestierenden die Auflösung des Parlaments und Neuwahlen.

Zu hören waren auch Parolen gegen die islamisch-konservative Partei Ennahda, der stärksten Kraft im Parlament. Demonstranten stürmten deren Büros, im Internet kursierende Videobilder zeigten aus dem Ennahda-Gebäude aufsteigenden schwarzen Rauch. Angreifer beschädigten Computer sowie andere Ausrüstung in den Büros und warfen Dokumente auf die Straße.

Tausende Demonstranten trotzten nicht nur in Tunis coronabedingten Beschränkungen und der sengenden Hitze, sondern auch in anderen Städten. In Nabeul, Sousse, Kairouan, Sfax und Tozeur kam es dabei ebenfalls zu Ausschreitungen. Ausgerufen worden waren die Proteste von der sogenannten Bewegung des 25. Juli.

Tunesien hat mit einem der schlimmsten Corona-Ausbrüche in Afrika zu kämpfen und daher wieder Lockdowns und andere Auflagen verhängt.

RND/AP