Mit Mund-Nasen-Schutz und neuem Schulranzen steht die fünfjährige Mariella-Marie nach der Einschulungsfeier auf dem Hof der Grundschule Lankow (Mecklenburg-Vorpommern). Quelle: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dp

Neues Schuljahr, alte Pandemiekonzepte – wird das reichen?

Berlin. Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein haben am Montag den Anfang gemacht: Schulstart nach den Sommerferien. Und wieder unter Pandemiebedingungen. An der Tagesordnung: Vorgaben zu Masken in Innenräumen und regelmäßige Tests.

In der Politik rückt ein breiterer Corona-Schutz für Kinder und Jugendliche in den Fokus – auch durch mehr Impfungen.

Der Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz, Dario Schramm, kritisiert jedoch eine mangelnde Vorbereitung der Politik auf den Schulstart. „Wir starten jetzt wieder in den Unterricht in den Bundesländern mit dem Credo ‚Das wird schon gut gehen – toi, toi, toi‘“, sagte Schramm im Interview mit dem Sender Phoenix. Konkret mahnte er die Ausstattung der Schulen mit mobilen Luftfiltern an.

Mit Hamburg startet am Donnerstag das nächste Bundesland die Schule nach den Sommerferien. Die Hansestadt schafft rund 10.000 mobile Luftfiltergeräte für alle 9000 Schulklassen und bis zu 12.000 Unterrichtsräume an. Dafür werden rund 20 bis 30 Millionen Euro investiert.

Hamburgs Bildungssenator Ties Rabe (SPD) warnt davor, angesichts immer neuer Corona-Varianten öffentlich über die Einschränkung oder Schließung des Schulbetriebes zu spekulieren. „Das wäre angesichts der erheblichen Auswirkungen von Schulschließungen auf die kognitive, soziale und seelische Entwicklung von Kindern und Jugendlichen wirklich verantwortungslos”, sagte Rabe dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Präsenzunterricht, aber viele Maßnahmen

Die Schulen sollen im kommenden Schuljahr geöffnet bleiben, so Rabe. „Deshalb bleibt Hamburg bei der klaren Linie, die vor den Sommerferien geplant wurde: Die Testpflicht, die Maskenpflicht, die Pflicht zum Stoß- und Querlüften, mobile Luftfilter und der Impfschutz für das Personal sollen zusammen mit den anderen Hygienemaßnahmen Infektionen mit dem Coronavirus verhindern.” In den Berufsschulen werde es in der Hansestadt gezielte Impfangebote geben.

Brandenburg und Berlin starten am kommenden Montag ins neue Schuljahr. Die Potsdamer Schulministerin Britta Ernst (SPD), zugleich Vorsitzende der Kultusministerkonferenz, will im neuen Schuljahr „so viel Normalität wie möglich” an den Schulen.

„Wir werden nach den Sommerferien im Präsenzunterricht starten. Die Voraussetzungen dafür sind gut”, so Ernst. „Alle Lehrkräfte haben ein Impfangebot bekommen, wir haben eine funktionierende Teststrategie in Kita und Schule. Die Maskenpflicht für alle im Bereich Schule in den ersten 14 Tagen und Hygienekonzepte schützen weiter vor einer Ansteckung.”

Die Frage ist: Wird das alles am Ende reichen? „Wie gut die Schulen tatsächlich aufgestellt sind, um die Herausforderungen durch die Corona-Pandemie zu meistern, lässt sich erst Mitte September verlässlich sagen, wenn die letzten Bundesländer ins neue Schuljahr starten”, sagte die Chefin der Bildungsgewerkschaft GEW, Maike Finnern, dem RND.

„Aber schon jetzt zeichnet sich ab, dass bei der digitalen Ausstattung flächendeckend noch längst nicht der Stand erreicht worden ist, der für einen modernen Präsenz- und einen guten Fernunterricht notwendig ist.”

Finnern hält es auch für nötig, bei den Luftfiltern nachzusteuern. „Ein Großteil der bereitstehenden Gelder ist immer noch nicht abgerufen worden. Gerade mit Blick auf die Zeit, in der die Klassenräume nicht mehr einfach durchgelüftet werden können, weil es draußen zu kalt ist, müssen Luftfilter als zusätzliches Instrument eingesetzt werden.”

Die GEW-Vorsitzende fordert, dass „möglichst viele Lehrkräfte sowie jugendliche Schülerinnen und Schüler geimpft werden”, insbesondere mit Blick auf steigende Infektionszahlen durch die Delta-Variante. „Impfangebote durch qualifiziertes Personal vor den Schulen können hierbei eine hilfreiche Maßnahme sein“, so Finnern.

Von Thoralf Cleven/RND