Absperrgitter stehen vor der Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika in Berlin. Quelle: Bernd von Jutrczenka/dpa

Angriff mit Schallwaffen? US-Diplomaten in Berlin klagen über Symptome des Havanna-Syndroms

Berlin. Es klingt wie eine Szenerie aus einem Agenten­thriller: Mitarbeiter der US-Botschaft in Berlin könnten laut einem Bericht des Nachrichten­­magazins „Spiegel“ von russischen Spionen mit Schallwaffen angegriffen worden sein. Mindestens zwei Diplomaten klagen über typische Beschwerden wie plötzlicher schwerer Schwindel, Sehstörungen, Übelkeit und starke Kopfschmerzen.

Nach Informationen des „Wall Street Journal“ soll ein Teil der betroffenen Diplomaten in der Bundeshauptstadt aufgrund der Symptome mittlerweile arbeitsunfähig sein.

Die US-Vertretung wollte die aktuellen Fälle in Berlin am Mittwoch gegenüber dem „Spiegel“ weder bestätigen noch kommentieren. Ein Sprecher sagte lediglich, die US-Regierung lasse nichts unversucht, die Unversehrtheit ihrer Diplomaten sicherzustellen.

Vergleichbare Fälle auf „jedem Kontinent“

Es ist nicht der erste Angriff auf Beamte im auswärtigen Dienst, den die Vereinigten Staaten verzeichnen, was den Vorfall zusätzlich besonders verstörend erscheinen lässt. Der erste ereignete sich im Jahr 2016 in der US-Vertretung auf Kuba, es wird daher beim Krankheitsbild vom Havanna-Syndrom gesprochen. Massive neurologische Beeinträchtigungen und teilweise bleibende Hirnschäden waren die Folge.

Kurz danach traf es amerikanische Regierungsbeamte in den Botschaften in Moskau und Peking; im April dieses Jahres wurden Angriffe direkt in Washington bekannt – eine Person aus der Umgebung des Nationalen Sicherheitsrats sowie eine Mitarbeiterin des Weißen Hauses. Im Juli dann ereigneten sich rätselhafte Krankheitsfälle an der US-Botschaft in Wien. Amerikanische Dienststellen sprechen davon, vergleichbare Vorfälle auf „jedem Kontinent“ beobachtet zu haben.

Keine belastbaren Beweise

Die Opfer seien sehr oft Mitarbeiter des US-Auslands­geheimdienstes CIA gewesen, wie dieser bekannt gab. Meist sind es zudem jene Agenten, die sich mit der Abwehr russischer Spionage­aktivitäten befassen.

Ende vergangenen Jahres berichteten Wissenschaftler der National Academy of Sciences in einer von der US-Regierung in Auftrag gegebenen Untersuchung, dass besondere Mikrowellen­waffen die starken gesundheitlichen Beschwerden ausgelöst haben könnten. Die Symptome seien „Auswirkungen gerichteter, gepulster Hochfrequenz­wellen“, hieß es in einer Untersuchung.

Laut Recherchen des „Spiegels“ und der Plattform Bellingcat arbeitet Russland in einem geheimen Programm daran, „aus der Ferne gefährliche Radiowellen über das Mobiltelefon einer Zielperson auszusenden“. Das Problem ist allerdings: Belastbare Beweise für ein kriminelles Vorgehen Russlands gegen die Vereinigten Staaten gibt es trotz des Einsatzes spezieller Ermittler bislang noch nicht.

Von Alexander Dahl/RND

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