Olaf Scholz (SPD), Annalena Baerbock (Grüne) und Armin Laschet (CDU) standen sich am Sonntagabend im zweiten TV-Triell gegenüber. Quelle: Christophe Gateau/dpa

TV-Triell mit klarer Front: Laschet gegen Rot-Grün

Beim ersten Statement von Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock rumpelt es heftig im Hintergrund. „Huppala, da fällt schon das Studio zusammen“, sagt sie und lässt sich nicht aus dem Konzept bringen. „Ich kämpfe für eine Regierung unter Führung der Grünen“, sagt sie. Dennoch wendet sich das zweite TV-Triell schnell zu einer Auseinandersetzung zwischen den Kanzlerkandidaten von SPD und Union, Olaf Scholz und Armin Laschet.

Das zweite TV-Triell findet in deutlich angespannterer Atmosphäre statt, als die erste Runde der Fernseh-Debatten. Inzwischen werfen sich vor allem Union und SPD gegenseitig Niveaulosigkeit und Entgleisungen vor. Verfolgt man die Auseinandersetzungen in den sozialen Netzwerken, dann haben beide Seiten damit durchaus Recht.

Die Debatte ist von Anfang an deutlich schärfer, was auch damit zusammenhängt, dass die Moderatoren Maybrit Illner und Oliver Köhr einen sehr guten Job machen. Die Sendung mit klaren scharfen Fragen treiben.

Sie wissen es zu verhindern, dass Scholz sich erneut durch die Debatte merkeln kann. Im Gegenteil: Er gerät unter Druck, als er die Razzia in seinem Ministerium zu FIU erklären muss – und auch die beiden Finanzskandale Cum Ex und Wirecard zur Sprache kommen.

Laschet nutzt den Elfmeter und gibt zu Protokoll: „Das Ergebnis ihres Tuns ist, dass die Aufsichtsbehörde versagt hat.“ Auch Baerbock versteht es an dieser Stelle zu punkten und sagt, dass in einer Regierung mit den Grünen das Waschen von Schwarzgeld nicht mehr möglich sein soll. „Ich will, dass es nicht mehr möglich ist, mit Bargeld in großem Maßstab Immobilien zu kaufen.“

Scholz zu Beginn in der Defensive, Laschet gut vorbereitet

Unangenehme Fragen bekommen alle drei. Laschet zu CDU-Rechtsaußen Hans Georg Maaßen, von dem er sich erneut nicht distanziert. Zugleich gibt Laschet aber dessen parteiinterner Konkurrentin, der schleswig-holsteinischen Bildungsministerin, Karin Prien Rückendeckung.

Prien gehört zu den Unterstützerinnen und Unterstützern Laschets, die in Adlershof vor Ort sind. Überhaupt gib es hinter den Kulissen des TV-Triellls großen Bahnhof. Jede Partei durfte 30 Leute mitbringen. Es ist viel Prominenz gekommen, um für den Kandidaten oder die Kandidatin Stimmung zu machen und auch um für die Kameras sichtbare Unterstützung zu signalisieren. Bei den Sozialdemokraten ist die Stimmung den Umfragen entsprechend gut. Sie sind zu Witzen aufgelegt, um nach jedem Scherz auf Kosten des politischen Gegners gleich demütig zu bekunden, dass die Wahl ja noch nicht gelaufen sei.

Auch um die voraussichtlich unübersichtliche Lage für eine Regierungsbildung nach der Bundestagswahl geht es in der Sendung. Dazu nicht viel neues. Laschet weicht der Frage aus, ob er auch in eine Regierung unter Scholz eintreten würde, um dann erneut der Rote-Socken-Kampagne Vorschub zu geben: Bezogen auf die SPD sagt er: „Es muss jedem klar sein, wenn es eine rechnerische Mehrheit – selbst wenn sie auf dem zweiten Platz landen – gibt, werden sie eine Koalition mit den Linken machen.“ Scholz wiederum verweist – wie immer bei diesem Thema – auf die außenpolitischen Bedingungen für eine Koalition, ohne Rot-Grün-Rot auszuschließen. Ähnlich Baerbock.

Der Grünen-Spitzenfrau gelingt es immer wieder, sehr klar die programmatischen Inhalte der Grünen zu erklären und damit zu punkten. Deutlich positioniert sich Baerbock zum Thema Impfen. Sie schließt eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen nicht aus, wenn man ansonsten vor der Wahl steht, die Schulen wieder schließen zu müssen.

Scholz, der vor allem zu Beginn der Sendung in die Defensive geriet, findet schnell wieder Tritt. Immer wieder hebt er unter, dass er das Regierungshandwerk beherrscht. Bei der Digitalisierung räumt er geschickt eine Lernkurve ein, um zu überdecken, dass die große Koalition nicht genug vorangekommen ist. Beim Thema Klima gibt er den Versöhner zwischen Ökologie und Ökonomie und erklärt die Energiewende so, als sei sie tatsächlich leicht machbar. „Natürlich wird man klagen können, es wird aber nicht mehr so lange dauern können.“

Laschet wiederum platziert immer wieder gut vorbereitete Versatzstücke. So holt er an einer Stelle eine Corona-Maske in die Kamera und erklärt, es dürfe nicht mehr passieren, dass Europa von der Produktion in China abhängig sei. Beim Thema Klima grätscht Laschet rein: „Raten Sie mal, welche beiden Parteien blockieren, wenn wir Entfesselungsgesetze machen wollen?“ Nach dem Schlagabtausch voller Vorwürfe von Scholz und Laschet nutzt Baerbock wiederum ihre Chance: „Sie haben mit ihrer Vergangenheitsbewältigung gezeigt, warum wir beim Klima nicht vorangekommen sind.“

Ein Fairnesspunkt für Baerbock

Laschet zeigt in der zweiten Hälfte der Sendung einen Moment der Unkonzentriertheit. Bei der klaren Fragen, ob er für einen Mietdeckel sei, muss er nachfragen: Was war die Frage? Hellwach ist Laschet wieder beim Thema Migration. „Das Asylrecht kennt keine Obergrenze“, sagt er und knüpft damit an Merkels Flüchtlingspolitik an.

Fairness-Punkt für Baerbock: Sie weist darauf hin, dass die Redezeit-Uhr von Scholz läuft, ohne dass er spricht. Das bleibt nicht der einzige rot-grüne Schulterschluss des Triells – bei Gesundheit, Pflege und Rente ist das auch so.

Wie bereiten sich die Kandidaten eigentlich auf ein solches Triell vor? Dem Vernehmen nach gab es am Sonntag eine Schaltkonferenz des „Zukunftsteams“. Wer dem Kanzlerkandidaten noch Input für das Triell geben wollte, solle Ideen schicken, hieß es. Ganz anders die Vorbereitung von SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz. Der hatte keine Termine an diesem Sonntag, hieß es aus SPD-Kreisen. Der habe sich entspannt. Baerbock – mehr wollten die Grünen nicht sagen – hat sich „intensiv“ in den letzten Tagen vorbereitet.

Von Eva Quadbeck/RND