Frederik Bouffier (CDU) kandidiert für das Gießener Oberbürgermeisteramt. Quelle: Stephan Sieber/CDU/dpa

Bouffier-Sohn kandidiert in Gießen als Oberbürgermeister

Gießen. Vorbilder gibt es reichlich. Der Urgroßvater engagierte sich politisch, der Opa, die Tante, die Mutter. Bruder und Cousin sind aktiv und der Vater sowieso. Jetzt will Frederik Bouffier, Sohn von Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU), Oberbürgermeister von Gießen werden. Bei der Wahl am 26. September tritt der 30-Jährige gegen vier Konkurrenten an. „Meine Motivation ist: Gießen ist meine Heimat“, sagt er.

Angesichts solcher Verwandtschaft ist die Kandidatur keine Überraschung. „Wir sind als gesamte Familie immer politisch interessiert, engagiert gewesen. Das färbt natürlich auch auf einen selbst ab“, sagt Bouffier. Schnittmengen mit seinem Vater gibt es genug: Beide sind in der CDU, beide sind Rechtsanwälte, beide interessieren sich für Sport und Geschichte. Dem Sohn ist aber wichtig zu betonen: „Ich bin derjenige, der antritt. Ich habe meinen eigenen Kopf, meine eigenen Ideen und meine eigene Agenda.“

Bouffier ist in der Kommunalpolitik bereits aktiv. Er sitzt in der Gießener Stadtverordnetenversammlung und im Kreistag. Es sei ihm eine Herzensangelegenheit, für seine Heimatstadt gestalten zu können. „Als ich gefragt wurde, das als potenzieller Oberbürgermeister zu tun, musste ich nicht lange überlegen.“ Nun wirbt der Christdemokrat mit Themen wie Digitalisierung oder Innenstadtentwicklung um Stimmen.

Für den CDU-Mann ist die mittelhessische Universitätsstadt keine leichte Wahlkampfarena. Bislang ist die Sozialdemokratin Dietlind Grabe-Bolz Oberbürgermeisterin, seit 2009. Die 64-Jährige hört nun auf. Nach der Kommunalwahl im März hat sich eine Regierungskoalition aus Grünen, SPD und Linke zusammengefunden. Neben Bouffier gibt es vier andere Kandidaten.

Vier Gegenkandidaten

Für die Grünen tritt der 34 Jahre alte Alexander Wright an. Zu den Themen des Berufsschullehrers gehören Klimaschutz und gesellschaftlicher Zusammenhalt. Der Landtagsabgeordnete Frank-Tilo Becher geht für die SPD ins Rennen. Der 58 Jahre alte frühere evangelische Pfarrer legt seine Schwerpunkte auf Bildung, Gesundheit und sozialen Zusammenhalt. Der Einzelhandelskaufmann Thomas Dombrowski kandidiert als Unabhängiger. Dem 47-Jährigen liegen soziale Themen am Herzen. Für die Satirepartei Die Partei tritt Marco Rasch (33) an.

Und was sagt der Ministerpräsident dazu, dass sein Sohn im Fünfkampf ums Rathaus mitmacht? „Wir haben einen ganz engen Familienzusammenhalt und tauschen uns wie in jeder anderen Familie auch über alles Mögliche aus“, sagt Frederik Bouffier. „Und wenn potenziell wegweisende Entscheidungen anstehen, dann sprechen wir auch darüber. Dann hole ich mir Rat, aber entscheiden muss man es dann alleine.“ Abgeraten habe ihm keiner – also auch Volker Bouffier nicht.

Auch wenn sein Vater natürlich gerade in politischen Fragen ein Ratgeber sei – der Sohn findet, dass dieser auch von ihm lernen könne. „Wir profitieren beide voneinander. Auch gerade, was die Ansprache von jüngeren Menschen angeht. Da ich mich selbst noch als jungen Menschen sehe, kann ich auch besser nachempfinden, was derzeit deren Themen sind und wie man den einen oder anderen Jüngeren erreichen kann. Da kann ich meinem Vater sicherlich einiges auch noch auf dem Weg mitgeben. Und umgekehrt profitiere ich natürlich auch von seiner Erfahrung, von seinen Tipps, die er geben kann.“

Ungewöhnlich ist es nicht, dass Kinder in die Fußstapfen der Eltern treten wollen, auch in der Politik nicht. In solchen Fällen schade das in der Regel nicht, sagt der Düsseldorfer Politologe und Parteienforscher Thomas Poguntke. „Weil man ja politische Netzwerke mitgeliefert bekommt über das familiäre Umfeld.“ Allerdings: „Wir haben es in Deutschland nicht so sehr mit Politikerdynastien zu tun, wie wir es etwa in Japan oder den USA kennen.“

Eine Herausforderung könne es für die Jungen sein, sich als eigene Persönlichkeit abzugrenzen. „Ist man etwa in derselben Partei, kann man leicht im Verdacht stehen, genau dasselbe zu wollen wie der Vater oder die Mutter“, erläutert Poguntke. Das könne auch mal nach hinten losgehen. „Aber ich glaube, das, was wir als Sozialwissenschaftler ,Sozialkapital‘ nennen – also die Vernetzung und auch das Wissen, wie etwas funktioniert – ist schon ein gewisser Startvorteil.“

RND/dpa