Fahrzeuge der Bundeswehr stehen am Flughafen nahe des Stützpunktes im Norden Malis. Quelle: Michael Kappeler/dpa

Der Mali-Einsatz steht mit Recht auf der Kippe

Berlin. Ein Monat ist vergangen seit der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan. Dabei führt sie nicht nur zu gravierenden Veränderungen im Land, sondern auch der internationalen Politik. Eine Konsequenz ist, dass der westliche Militäreinsatz in Mali in einem anderen Licht erscheint. Nun, da die malische Regierung mit der russischen Söldner-Truppe „Wagner“ verhandelt, könnte der Einsatz schneller zu Ende gehen als erwartet.

Nach dem Desaster am Hindukusch wurde vielen klar, wie gigantisch die Herausforderung auch in Mali ist. Das Land ist doppelt so groß wie Afghanistan, ebenso bitterarm und vielfach gespalten. Der Westen stützt dort faktisch ein Putsch-Regime, das von Demokratie nichts hält, um ein vermeintlich größeres Übel, ein Regime von Islamisten, zu verhindern.

Mehr als eine Stabilisierung Malis ist nicht drin. Und schon die Ausbildung der malischen Streitkräfte ist zweifelhaft, weil sie westliche Werte nicht teilen.

Dass sie diese Werte nicht teilen, würde mit einem Einstieg der „Wagner“-Söldner und damit einer Fortsetzung der schmutzigen Außenpolitik Russlands unterstrichen. Wenn die Söldner kämen, müsste die Bundeswehr gehen. Es kann sogar sein, dass manchen deutschen Verteidigungspolitikern die neue Lage gelegen kommt, um ein Engagement zu beenden, an das sie nicht glauben.

Im Übrigen finden in Frankreich im nächsten Jahr Präsidentschaftswahlen statt. Der sprunghafte Präsident Emmanuel Macron könnte die ohnehin geplante Reduzierung der französischen Truppen aus innenpolitischen Gründen weiter vorantreiben.

Für den militärischen Kampf gegen den Islamismus wäre ein Scheitern in Mali ein weiteres Desaster: Es wäre das Eingeständnis, dass der Westen dafür kein politisches Konzept hat.

Von Markus Decker/RND