CSU-Chef Markus Söder nach seiner Rede auf dem CSU-Parteitag. Quelle: Daniel Karmann/dpa

Wahlforscher rechnet vor, warum die CSU für die Bundestagsgröße verantwortlich ist

In eineinhalb Wochen wählt Deutschland den neuen Bundestag. Während aktuell vor allem die Kanzlerfrage im Zentrum der Öffentlichkeit steht, beschäftigen sich Experten bereits mit der Größe des neuen Parlaments. Denn so viel vorab: Nach aktuellen Wahlumfragen könnte es der größte Bundestag in der Geschichte der Bundesrepublik werden. Warum? „Eigentlich ganz einfach. Wegen der CSU“, erklärt Wahlforscher und Politikwissenschaftler Thorsten Faas bei Twitter. Denn: Sollten sich die aktuell schwachen Umfrageergebnisse der CSU bewahrheiten, könnte das bei der Partei für zahlreiche Überhangmandate sorgen – mit erheblichem Einfluss auf die Gesamtzahl der Sitze im kommenden Bundestag.

Zur Erklärung: Die Regelgröße des Bundestags umfasst 598 Sitze. Wie viele Sitze eine Partei erhält, wird dabei über den prozentualen Anteil der Zweitstimmen berechnet. Mit der Erststimme können Kandidaten zudem direkt in den Bundestag gewählt werden. Werden jedoch mehr Direktkandidaten einer Partei in das Parlament gewählt (Erststimme), als der Partei an Sitzen zustehen (Zweitstimme), entstehen Überhangmandate. Der prozentuale Anteil der Zweitstimmen bleibt dennoch weiter maßgeblich für die Aufteilung. Deshalb bekommen die anderen Parteien sogenannte Ausgleichsmandate. Diese sorgen dafür, dass die Machtverhältnisse der Parteien weiter den prozentualen Zweitstimmenergebnissen entsprechen.

Bundestag könnte neuen Sitzrekord brechen

Und diese Regelung macht sich besonders bei der CSU bemerkbar, wie Wahlforscher Faas mit einer stark vereinfachten Rechnung zeigt. Als Basis nutzt er aktuelle Umfrageergebnisse, in denen der bayerische Ableger der Union einen bundesweiten Stimmanteil von etwa 5 Prozent erreicht. „Also stehen ihr circa 5 Prozent der Sitze im Deutschen Bundestag zu“, schreibt er. Für die weitere Rechnung rundet er die Regelgröße des Bundestags auf 600 auf, womit fünf Prozent am Ende für 30 Sitze stehen würden.

Faas traut der CSU jedoch zu, 45 der 46 Wahlkreise in Bayern direkt zu gewinnen. „Das wären 15 Überhangmandate.“ Weil 2020 das Wahlrecht geändert wurde und das Ausgleichsverfahren seither erst nach drei Überhangmandaten einsetzt, würde die CSU im Rechenbeispiel noch zwölf Überhangmandate besitzen und am Ende auf 42 Sitze kommen. „Damit die 42 Sitze bundesweit circa 5 Prozent entsprechen (denn es ist ja ein Verhältniswahlsystem), muss der Bundestag auf 840 Sitze anwachsen.“ Denn in absoluten Zahlen ausgedrückt stünde in diesem Fall ein CSU-Überhangmandat für 19 Ausgleichsmandate, die auf die übrigen Parteien verteilt würden.

Sollte der Fall so eintreten, wäre das ein neuer Spitzenwert. So viele Abgeordnete gab es in der Geschichte Deutschlands noch nie zuvor in einem Bundestag. Den aktuellen Höchstwert hat das aktuelle Parlament mit 709 Mitgliedern. Ob der Bundestag in der kommenden Legislaturperiode tatsächlich den Rekord bricht? „Danach sieht es derzeit aus“, teilt Faas seine Einschätzung auf RND-Rückfrage mit.

Was passiert, wenn die CSU an der Fünfprozenthürde scheitert?

Der Bundestag könnte sogar noch größer werden, sollte die CSU an der Fünfprozenthürde scheitern. Denn obwohl die Partei nur in Bayern antritt, muss auch sie bundesweit mehr als 5 Prozent der Stimmen erhalten. Ins Parlament würde es die Partei dennoch ohne Probleme schaffen. Der Grund: die Direktmandate. Holt eine Partei mindestens drei Direktmandate, wird auch der Zweitstimmenanteil berücksichtigt.

Sollte die CSU hypothetisch nur 4 Prozent erhalten, ergibt sich aus den Werten des vorangegangenen Beispiels folgende Rechnung: Bei 45 Direktmandaten würden die 4 Prozent der Zweitstimmen mit einberechnet. Folglich stünden der Partei 24 Sitze im Bundestag zu. Bei 42 Sitzen (drei Mandate werden wieder abgezogen) müssten in Summe 18 CSU-Mandate im Verhältnis ausgeglichen werden. In diesem Fall würde der Bundestag auf 1050 Sitze anwachsen.

Von Jens Strube/RND