Anhänger des ehemaligen US-Präsidenten Trump nehmen an einer Demonstration in der Nähe des Kapitol in Washington teil. Quelle: Gemunu Amarasinghe/AP/dpa

Vor US-Kapitol: Einige Hundert Trump-Anhänger demonstrieren in Washington

Washington. Nahe dem schwer gesicherten Kapitol in Washington haben am Samstag einige Hundert Anhänger des früheren US-Präsidenten Donald Trump demonstriert. Sie wollten zur Freilassung der Menschen aufrufen, die im Zusammenhang mit dem Sturm aufs Kapitol angeklagt wurden. Die Polizeipräsenz war hoch; die Zahl der Sicherheitskräfte und der Medienvertreter war deutlich größer als die der Demonstrierenden.

Zu Beginn der Kundgebung kam es zu kleineren Rangeleien, eine Person wurde nach Polizeiangaben wegen Tragens eines Messers festgenommen. Die Kundgebung wurde von schweren Muldenkippern gesäumt, sie fand auf freier Fläche in deutlicher Entfernung vom Kapitol statt. Straßen waren mit Metallbarrikaden gesichert, auch das Gebäude selbst war besonders geschützt.

Die Kapitolspolizei hatte die Unterstützung weiterer Sicherheitsbehörden angefordert, darunter der Nationalgarde, zudem wurde das Gebäude wieder eingezäunt. Bei der Erstürmung des Kapitols durch gewaltbereite Anhänger Trumps hatte es keine ausreichenden Sicherheitsmaßnahmen gegeben. Danach stand monatelang noch ein Zaun rund um das Kapitol, der erst im Sommer wieder abgebaut wurde.

Früherer Trump-Wahlkampfstratege organisiert die Demonstration

Der Chef der Kapitolspolizei, Tom Manger, sagte am Freitag, es sei schwer einzuschätzen, ob Gewaltdrohungen vor der Kundgebung am Samstag glaubwürdig seien. Zu der Demonstration waren 700 Teilnehmer zugelassen. Manger sagte, am ehesten werde es wohl zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Gegendemonstranten kommen. Am Samstagmorgen war die Polizei bereits damit beschäftigt, kleinere Gruppen beider Lager auf Abstand voneinander zu halten.

Organisator der Demonstration war Matt Braynard, ein früherer Trump-Wahlkampfstratege. Er sieht die Kundgebung wie auch vorausgegangene kleinere Veranstaltungen in anderen Städten als ein Instrument, die Aufmerksamkeit auf die seiner Ansicht nach unfaire Strafverfolgung der „politischen Gefangenen“ - also der gewalttätigen Kapitolstürmer - zu lenken. Insgesamt sind mehr als 600 Menschen im Zusammenhang mit dem Angriff vom 6. Januar mit Strafverfahren konfrontiert, davon befinden sich nach einer Zählung der Nachrichtenagentur AP 63 in Untersuchungshaft.

Der Kongress tagt aktuell nicht

Am 6. Januar waren Anhänger Trumps gewaltsam in das Gebäude eingedrungen, hatten Abgeordnete bedroht und die Beglaubigung des Wahlsiegs von Joe Biden unterbrochen. Dabei kamen fünf Menschen ums Leben, mehr als 100 Polizisten wurden verletzt, es entstand Sachschaden von mehr als einer Million Dollar.

Von denen, die angeklagt wurden oder gegen die ermittelt wird, machen Mitglieder extremistischer Gruppen wie der Oath Keepers und der Proud Boys zwar nur einen Bruchteil aus, doch werden ihnen einige der schwersten Straftaten in diesem Zusammenhang zur Last gelegt. Ob Mitglieder von ihnen zu der Kundgebung erscheinen würden, war unklar.

Der Kongress tagt aktuell nicht, im Gebäude hielten sich am Samstag vermutlich keine Mitglieder von Abgeordnetenhaus und Senat auf.

RND/AP