Passagiermaschinen der Lufthansa stehen auf dem Rollfeld des Flughafens Frankfurt. Quelle: Boris Roessler/dpa

Lufthansa-Aktie mehr als 25 Prozent im Minus: Kapitalerhöhung drückt Kurs

Frankfurt/Main. Am Mittwoch sackte der Kurs der Lufthansa-Aktie um mehr als 25 Prozent ab. Bei der Börse Xetra wurden die Aktien für 6,10 Euro gehandelt, ein Minus von ca. 27 Prozent zum Börsenschluss am Vortag.

Hintergrund ist die Kapitalerhöhung der Lufthansa, mit der das Unternehmen die Rückzahlung der deutschen Staatshilfen finanzieren möchte. Zu diesem Zweck hat das Unternehmen neue Aktien im Gesamtwert von gut 2,1 Milliarden Euro ausgeben. Das Geld soll in die Rückzahlung der Stillen Einlagen fließen, mit denen der deutsche Staat den Luftfahrtkonzern in der Corona-Krise im vergangenen Jahr vor dem wirtschaftlichen Aus gerettet hatte.

Lufthansa: Aktie am Mittwoch tief im Minus

Diese Kapitalerhöhung führt nun zum hohen Bezugsrechtsabschlag. Die Lufthansa hat den Bezugspreis der neuen Aktien auf 3,58 Euro festgelegt. Aktieninhaber können für jede Lufthansa-Aktie zu diesem Preis eine weitere Aktie beziehen. Die Aktienanzahl verdoppelt sich dadurch. Dass ausgerechnet am Mittwoch der Aktienkurs einbricht, hängt offenbar mit der Ausgabe der neuen Aktien zusammen. Denn die Bezugsfrist beginnt am heutigen Mittwoch (22. September) und endet voraussichtlich am 5. Oktober.

Analysten sind sich uneins, was von der Kapitalerhöhung zu erwarten ist: Das Bankhaus Metzler begrüßte den Vorstoß der Lufthansa und stufte das Unternehmen am Dienstag von „Sell“ auf „Hold“ hoch, ebenso steigt das Kursziel von 7,20 auf 8,40 Euro. Dagegen senkt Credit Suisse das Kursziel von 4,47 auf 3,91 Euro mit Blick auf die Verdoppelung der Aktienzahl und belässt die Einstufung auf „Underperform“.

Luftfahrtexperte Daniel Roeska vom Analysehaus Bernstein zeigte sich vor wenigen Tagen über den Zeitpunkt der Kapitalerhöhung verwundert. Möglicherweise wäre es besser gewesen, auf deutlichere Anzeichen einer Erholung auf den Fernstrecken und bei Geschäftsreisen zu warten.

Lufthansa will Staatsgelder zurückzahlen

Lufthansa-Chef Carsten Spohr zeigte sich zuletzt stolz, dass die Lufthansa die Hilfsgelder zurückzahlen kann. „Wir haben immer deutlich gemacht, dass wir das Stabilitätspaket nur so lange in Anspruch nehmen werden, wie es notwendig ist.“ Die Nettoverschuldung des Konzerns soll durch die Kapitalerhöhung deutlich sinken. „Wir können uns nun voll auf die weitere Transformation der Lufthansa Group konzentrieren“, sagte Spohr. Der Konzern hat in der Krise zigtausende Arbeitsplätze abgebaut. Zuletzt zählte er mit rund 110.000 Beschäftigten rund 30.000 weniger als vor Corona.

Deutschland, Österreich, die Schweiz und Belgien hatten dem Lufthansa-Konzern nach dem Zusammenbruch des Luftverkehrs infolge der Corona-Pandemie mit milliardenschweren Finanzhilfen unter die Arme gegriffen. Insgesamt sagten sie dem Konzern neun Milliarden Euro zu, der Löwenanteil der Summe stammt aus Deutschland, dem Heimatland der Lufthansa. Die Nachbarländer stellten Kredite zur Verfügung, um die Konzerntöchter Austrian, Swiss und Brussels zu stärken.

Kapitalerhöhung der Lufthansa als „Einstieg in den Ausstieg“

Der deutsche Staat stieg über den Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) zudem als Anteilseigner mit 20 Prozent bei der Lufthansa ein. Außerdem stellte der WSF zwei Stille Einlagen als Eigenkapital bereit, von denen die Lufthansa bisher insgesamt 2,5 Milliarden Euro in Anspruch genommen hat. Das Geld aus der Kapitalerhöhung will sie zur Rückzahlung dieser Einlagen nutzen - erst 1,5 Milliarden, dann die restliche Milliarde bis zum Jahresende. Ein Kredit der Staatsbank KfW von einer Milliarde Euro wurde bereits zurückgezahlt.

Der WSF begrüßte am Montag die geplante Kapitalerhöhung als „Einstieg in den Ausstieg“ des Staates bei der Lufthansa. Er werde den Konzern weiterhin entsprechend seiner Position als „wesentlicher Aktionär“ begleiten. Dabei hält sich der WSF offen, ob er bei der Kapitalerhöhung mitzieht. Man werde sich erst nach Abschluss der Kapitalmaßnahme dazu äußern, sagte eine Sprecherin der Finanzagentur des Bundes am Montag.

Der WSF hat seine Aktienbeteiligung bereits zurückgefahren und Anteile an der Börse verkauft. Nach Angaben der Lufthansa ist er derzeit noch mit knapp 16 Prozent am Grundkapital des Konzerns beteiligt. Falls der WSF an der nun angeschobenen Kapitalerhöhung teilnimmt, werde er frühestens ein halbes Jahr danach mit dem Verkauf seiner Anteile beginnen, hieß es. Dann müsse er seine Anteile spätestens zwei Jahre nach der Kapitalerhöhung komplett verkauft haben, sofern der Konzern die Stillen Einlagen wie geplant zurückzahlt.

RND/dpa

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