Die Vorsitzende des Mar­burger Bunds warnt im Falle von vorschnellen Lockerungen vor einer erneut wachsenden Belastung in den Kliniken. Quelle: imago images/Max Stein

Ende der Corona-Beschränkungen? Marburger Bund kritisiert Kassenärztechef für Vorstoß

Hannover/Berlin. Die Vorsitzende des Ärzte­verbandes Mar­burger Bund, Susanne Johna, hat Kassen­­ärzte­­chef Andreas Gassen für dessen Vorstoß kritisiert, Ende Oktober alle Corona-Beschränkungen aufheben zu wollen. „Die Impf­quote ist viel zu niedrig, um beispiels­weise Maß­nahmen wie die Masken­pflicht in Innen­räumen aufzuheben“, sagte Johna dem Redaktions­Netz­werk Deutsch­land (RND).

Eine stark steigende Infektions­zahl führe zwangsläufig zu mehr Erkrankten und Patienten und Patien­tinnen, die in Kranken­häusern behandelt werden müssten. „Diesen Zusammen­hang muss man doch sehen“, klagte sie in Richtung Gassen und unterstrich: „Ich bin Ärztin, und deshalb ist mein Bestreben darauf gerichtet, Krank­heiten zu vermeiden.“ Masken hätten einen „eindämmenden Effekt“ und seien ein probates Mittel.

Johna warnt im Falle von vor­schnellen Lockerungen vor einer erneut wachsenden Belastung in den Kliniken durch Patienten und Patien­tinnen, die beatmet und intensiv­medizinisch versorgt werden müssten. Anders als vor einem Jahr würden die Kranken­häuser wieder regulär arbeiten, ein steigendes Infektions­geschehen würde dies jedoch wieder gefährden. „Ich finde es nicht kollegial, solche zusätz­lichen Belastungen einfach zu ignorieren, weil man das Masken­tragen leid ist.“

Kassen­­ärzte­­chef Gassen hatte sich bei seiner Forderung nach einem „Freedom Day“ auf die guten Erfahrungen in Groß­britannien berufen, wo Mitte Juli die Corona-Beschränkungen weitest­gehend aufgehoben worden waren. Für die Vorsitzende des Mar­burger Bunds unterscheidet sich die Ausgangs­lage aber „in einem zentralen Punkt“ von der in Deutsch­land. „Gerade in Eng­land hat man die Immunität dadurch erreicht, dass man eine wesent­lich höhere Todes­rate in Kauf genommen hat“, so Johna. „Ich bin froh, dass wir diesen Weg nicht gegangen sind. Und wir sollten ihn auch jetzt nicht gehen.“

Von Jens Strube/RND