Gibt sich gelassen: Annalena Baerbock, Kanzlerkandidatin der Grünen. Quelle: Fabian Strauch/dpa

Baerbock stellt sich Kinderfragen bei Pro Sieben: „Bist du schuld daran, dass die Grünen gerade verlieren?“

Tipi, Ministuhl, unbequeme Fragen. Nach ihren Kontrahenten im Kampf ums Kanzleramt hat sich jetzt die Grünen-Kandidatin Annalena Baerbock in der „Late Night Berlin“ Show bei Pro Sieben dem unerbittlichen jungen Interviewduo Pauline und Romeo gestellt. Von der Anspielung auf Baerbocks Buch („Meine Lehrerin sagt immer, ich darf nicht abschreiben. Weshalb darfst du es dann?“) bis zu Ungenauigkeiten im Lebenslauf der Politikerin („Stimmt es, dass du deinen Lebenslauf cooler gemacht hast?“) legten die Nachwuchsjournalisten nach gewohnter Manier die Finger in die Wunden.

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Während der CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet bei seinem Treffen im Tipi sichtlich angefressen zu kritischen Fragen Stellung genommen hatte, blieb Baerbock gelassen. Als die Kinder ihr 75 Euro „Taschengeld“ schenken wollten, als Anspielung auf Baerbocks Pläne einer Ausgleichszahlung für höhere CO2-Preise, ließ sie sich nicht auf die Argumentation der jungen Fragesteller ein. Die Zahlung an alle – auch an reiche – Menschen sei nicht ungerecht. „Die werden bei der Vermögenssteuer noch ein bisschen mehr zahlen“, sagte sie schmunzelnd. Auch auf die Frage „Bist du schuld daran, dass die Grünen gerade verlieren?“ reagierte die 40-Jährige souverän: „Ne, aber ich muss mich noch ein bisschen anstrengen, damit wir noch mehr Menschen überzeugen können.“

Eine kleine Wissenslücke im Jugendjargon offenbarte Baerbock bei der Frage, ob sie „Brennnessel mache“, wenn einer sie ärgere. Sie habe meist keine Brennnessel dabei, als Kind aber schon mal Juckpulver selbst gemacht. Beim „Brennnessel machen“ kommt jedoch nicht wirklich die Pflanze zum Einsatz, vielmehr wird der Arm des Opfers mit beiden Händen umschlossen und die Haut in die jeweils andere Richtung geschoben.

Baerbock verhielt sich gegenüber den Kindern weder anbiedernd noch bevormundend, sondern begegnete ihnen auf Augenhöhe. Und das lag nicht nur an den winzigen Stühlen, auf denen die Politiker im TV-Tipi Platz nehmen müssen. Sie trete dafür an, „dass wir noch so gut leben können wie heute, wenn ihr mal so groß seid wie ich“.

Die obligatorische Niedlichkeitsfrage, die den kritischen Reigen auflockern soll, beantwortete sie mit einem gesunden Mittelmaß aus Ernst und Scherz. In den Pausen im Bundestag würde sie nicht so oft Fangen spielen wie die Kinder auf dem Schulhof. Sie habe dafür einfach immer die falschen Schuhe an.

Am Ende hätte sich die Grünen-Kanzlerkandidatin gerne noch das Spielzeug im Tipi angeschaut. Aber Pauline und Romeo drängten zum Aufbruch. Der Termindruck, man kennt das.

Von Nina May/RND

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