Weniger Staus durch Baustellen – das ist eines der Ziele, das die Autobahn GmbH durch bessere Koordination erreichen soll. Quelle: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/

Scheuers Autobahn GmbH hat ein Personalproblem

Frankfurt. Bei der bundeseigenen Autobahn GmbH herrscht noch immer Personalmangel. In der Gesellschaft arbeiten derzeit lediglich 11.804 Frauen und Männer. Dies geht aus einer Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion hervor, die dem Redaktions­Netzwerk Deutschland (RND) vorliegt. Laut Verkehrsministerium entspricht die Zahl der Mitarbeitenden „einer aktuellen Personalkapazität von 11.450 Vollzeitäquivalente auf dauerhaften Stellen“, so das Verkehrsministerium. Im Januar 2021 waren es rund 10.400 Leute.

Seinerzeit hatte die staatliche Gesellschaft dem ZDF erklärt, dass man Ende 2021 mit 13.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern „bereits vollständig“ sein werde. Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hatte den Beginn des Geschäftsbetriebes zum 1. Januar als „Start der größten Reform in der Geschichte der Autobahn“ bezeichnet. Ziel ist, die Verantwortung für die insgesamt 13.000 Fernstraßenkilometer in einer Gesellschaft zu bündeln – zuvor waren die Kompetenzen auf die Bundesländer verteilt.

In den entsprechenden Verwaltungseinheiten waren insgesamt gut 15.000 Beschäftigte tätig. Geplant war, große Teile dieses Personals zu übernehmen. Die Zentralisierung soll unter anderem den Bau von Straßen beschleunigen, zu weniger Staus führen und die Informationen für die Autofahrerinnen und Autofahrer verbessern.

Doch es gab jede Menge Pannen und Probleme. Einer der Geburtsfehler war, dass die geplante Verschmelzung mit der Deges – das ist eine Straßenbau-Projektgesellschaft, an der zwölf Länder und der Bund beteiligt sind – wegen rechtlicher Bedenken kurzfristig abgeblasen wurde.

In den vergangenen Monaten türmten sich Medienberichten zufolge Rechnungen von Bauunternehmen bei der Autobahn GmbH, Firmen stellten deshalb zeitweise die Arbeit auf Baustellen ein, Anträge für Schwertransporte wurden nur sehr schleppend bearbeitet. Beobachterinnen und Beobachter machen für die Probleme die überhastete Umsetzung des Mammutprojekts verantwortlich. Schließlich geht es darum, zehn Niederlassungen, 41 Außenstellen, 42 Verkehrsleitzentralen und 189 Autobahnmeistereien zusammenzuführen. Ferner hapert es bei der einheitlichen IT.

Das alles verunsicherte offenbar zahlreiche potenzielle Mitarbeitende. Viele ließen sich in andere Landesverwaltungen versetzen – statt zur Autobahn GmbH zu wechseln, obwohl ihnen dort Arbeitsverträge mit üppigen Gehältern angeboten wurden.

Stefan Gelbhaar, Verkehrsexperte der Grünen-Bundestags­fraktion, sagte dem RND: „Das Pannenprojekt von Herrn Scheuer hat ein Personalproblem.“ Die CSU baue seit über einem Jahrzehnt geradezu besessen Straßen. Das lasse sie sich gern etwas kosten. Er betont: „Dass jetzt trotz hoch dotierter Arbeitsverträge und Personalmarketing in Millionenhöhe Tausende Arbeitsplätze fehlen, ist die Spitze des Eisbergs in der Misere der Autobahn GmbH.“

Aus der Antwort auf eine mündliche Frage Gelbhaars im Bundestag geht hervor, dass in diesem Haushaltsjahr für Öffentlichkeitsarbeit und interne Kommunikation der GmbH rund 2,5 Millionen Euro veranschlagt sind. 2020 machte dieser Posten rund 1,8 Millionen Euro aus.

Ein Großteil davon, nämlich 1,6 Millionen Euro, wurde für die Rekrutierung von Fachleuten ausgegeben, wie aus einer Anfrage der FDP vom Februar hervorgeht. Seinerzeit erklärte das Ministerium zur Personalsituation: „Nach Auskunft der Autobahn GmbH wird der Personalbedarf derzeit weiter validiert. Ausschreibungen werden weiter vorbereitet.“

Gelbhaar fordert derweil, die Aufgaben der staatlichen Gesellschaft generell auf den Prüfstand zu stellen: „Wir Grüne wollen die Infrastruktur von Straße, Schiene und Rad in Zukunft gemeinsam denken. Auch die Autobahn GmbH braucht dafür neue Funktionen, um die Ziele eines Bundesnetzplans zu erreichen.“

Von Frank-Thomas Wenzel/RND

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