Maas gegen Altmaier: Das Duell der beiden Minister um ein Direktmandat entschied der Sozialdemokrat Maas für sich. Quelle: Harald Tittel/dpa

Besondere Wahlkreise: Promiduelle, schwere Verluste und haushohe Gewinne

Wahlkreis 61: Scholz schlägt Baerbock

Berlin. Annalena Baerbock (Grüne) verlor am Wahlabend gleich zweimal gegen Olaf Scholz (SPD): Einmal als Kanzlerkandidatin und einmal im Rennen um das Bundestag-Direktmandat in Potsdam. Beide wohnen im kleineren Nachbarort der Hauptstadt, beide buhlten dort um die Wählergunst. Und ganz dem Bundestrend und seinen insgesamt hohen Zustimmungswerten folgend, gaben 34 Prozent der Wählerinnen und Wähler Scholz ihre Erststimme, auf Annalena Baerbock entfielen 18,8 Prozent der Stimmen.

Wahlkreis 297: Das Kabinettsduell

Ein weiteres Promiduell spielte sich im Wahlkreis Saarlouis ab. Dort traten mit Heiko Maas (SPD) und Peter Altmaier (CDU) zwei Kabinettsmitglieder der letzten Regierung Merkel gegeneinander an. Mit 36,7 Prozent der Stimmen gewann Noch-Außenminister Heiko Maas das Direktmandat, Altmaier erhielt 28 Prozent der Erststimmen.

Wahlkreis 101: Lauterbachs Sensationsergebnis

In der Corona-Pandemie wurde Karl Lauterbach (SPD) zu einem festen Begleiter aller Fernsehzuschauerinnen und Zeitungsleser. Mit seiner klaren Haltung für einen vorsichtigeren und strikteren Kurs in der Pandemiebewältigung wurde Lauterbach zur Zielscheibe vieler Anfeindungen. Die Wählerinnen und Wähler in seinem Wahlkreis in Leverkusen schätzen ihn jedoch offenbar sehr: Mit 45,6 Prozent der Erststimmen holte der Gesundheitspolitiker ein geradezu phänomenal gutes Ergebnis.

Wahlkreis 196: Rechtsaußen verliert

Keine Direktkandidatur hat der CDU in diesem Wahlkampf so viel Ärger bereitet wie die des ehemaligen Verfassungsschutzpräsidenten Hans-Georg Maaßen. Der Rechtsausleger der Union griff wiederholt den öffentlich-rechtlichen Rundfunk an, ging für Interviews lieber zu rechten Alternativmedien. Trotz vieler Aufschreie aus Politik und Medien distanzierte sich die CDU-Führung nicht umfassend von ihrem Kandidaten. Mit 22,3 Prozent der Erststimmen landete Maaßen dennoch weit abgeschlagen hinter dem ehemaligen Biathleten Frank Ullrich (SPD), der 33,6 Prozent erhielt.

Wahlkreis 15: Jungsozialistin beerbt Merkel

Nicht einmal die Hälfte der Erststimmen von 2017 holte die CDU im Wahlkreis Vorpommern-Rügen – Vorpommern-Greifswald. Überhaupt verlor sie den Wahlkreis zum ersten Mal seit der Wiedervereinigung an die SPD. Das Schicksal der CDU im Wahlkreis ist eng mit dem im Bund verknüpft: Lange Jahre war es der Wahlkreis von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die dort 2017 noch mehr als 40 Prozent der Erststimmen holte. So gut schneidet die SPD nun nicht ab, liegt aber mit 24,3 fast 4 Prozent vor der CDU. Besonders ärgerlich für die Konservativen: Mit Anna Kassautzki haben sie den Wahlkreis ausgerechnet an eine junge linke Sozialdemokratin verloren.

Wahlkreis 160: 39 Stimmen zwischen Rechtsextremisten und CDU-Kandidat

Andreas Harlaß „ist ein deutscher Neonazi und Politiker“ – so steht es im Wikipedia-Eintrag des sächsischen AfD-Politikers. Das Amtsgericht Dresden urteilte 2019, man dürfe Harlaß als Neonazi und Vertreter der NS-Rassenideologie bezeichnen. Nun verpasste Harlaß nur haarscharf den Einzug in den Deutschen Bundestag als Direktkandidat der AfD im Wahlkreis Dresden II – Bautzen II. Nur 39 Stimmen trennen ihn vom Erstplatzierten Lars Rohwer (CDU). Landesweit ist die AfD in Sachsen jedoch mit Abstand als stärkste Kraft aus der Bundestagswahl hervorgegangen. Die Partei holte dort zehn Direktmandate, die CDU vier.

Wahlkreis 219: Schwarzes Kernland jetzt grün

Es war knapp, aber es hat gereicht: Mit 27,5 Prozent der Erststimmen gewann Jamila Schäfer im Münchner Süden das erste grüne Bundestagsdirektmandat in Bayern. Ihr Konkurrent Michael Kuffer von der CSU erhielt 26,8 Prozent der Stimmen. Ein Zeichen der Stärke der Grünen, aber auch der Schwäche der CSU. Seit 1976 hatten die bayerischen Konservativen das Direktmandat in dem Wahlkreis nur einmal an die SPD verloren.

Wahlkreis 84: Gysi der Große

Nirgendwo schneidet Die Linke bei den Erststimmen so gut ab wie in Treptow-Köpenick in Berlin. 35,4 Prozent holte Gregor Gysi dort am Sonntag. Damit sichert er nicht nur sein Direktmandat, sondern auch den Einzug seiner Partei in den Bundestag. Eigentlich wäre sie mit nur 4,9 Prozent der Zweitstimmen knapp an der Fünfprozenthürde gescheitert. Die Grundmandatsklausel rettet sie jedoch vor dem Ausscheiden aus dem Parlament: Eine Partei wird auch dann bei der Sitzverteilung auf ihre Landeslisten berücksichtigt, wenn sie die 5 Prozent zwar verfehlt, aber mindestens drei Direktmandate erringt. Das gelang der Linken neben Treptow-Köpenick auch in Berlin-Lichtenberg und in Leipzig.

Von Felix Huesmann/RND

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