Gegen die neue Corona-Maßnahme werden Proteste erwartet, wie hier am vergangenen Sonntag in der italienischen Hauptstadt Rom. Quelle: imago images/Independent Photo Agency

Trotz heftiger Proteste: Corona-Pass tritt in Italien in Kraft – 23 Millionen Menschen betroffen

Rom. In Italien tritt am Freitag eine umstrittene neue Corona-Regel für Arbeitnehmer in Kraft. Jeder Beschäftigte, sowohl in der Privatwirtschaft als auch im öffentlichen Bereich, muss dann nachweisen, geimpft, genesen oder negativ getestet zu sein. Nur dann bekommt man einen sogenannten „Grünen Pass“. Ohne diesen Pass darf niemand mehr seinen Arbeitsplatz – etwa in Büros, Fabriken, Geschäften oder öffentlichen Einrichtungen – betreten. Von der Maßnahme sind 23 Millionen Beschäftigte in Italien betroffen.

Die Regierung von Ministerpräsident Mario Draghi hatte das Dekret vor Wochen beschlossen, um mehr Menschen zur Impfung zu bewegen. Rund 85 Prozent der Italiener ab zwölf Jahren sind mindestens einmal geimpft.

Gegen den Beschluss gibt es heftigen Widerstand. Gewerkschaftler und Politiker kritisieren die Maßnahme. In Triest drohen die Arbeiter mit einer Blockade des wichtigen Hafens; im Güterverkehr wird Chaos befürchtet, weil viele Fernfahrer vor allem aus dem Ausland kein notwendiges Corona-Zertifikat haben. In vielen Städten sind am Freitag Proteste geplant, unter anderem in Rom. Dort gab es erst am vorigen Samstag bei einer Demonstration schwere Krawalle.

Der Speditions­angestellte Vincenzo Marini in Rom bezeichnet die Green-Pass-Pflicht am Arbeitsplatz als „Erpressung“: Er sei zwar nicht grundsätzlich gegen das Impfen, „aber so kann der Staat nicht mit seinen Bürgern umspringen“, betont der 48-Jährige. Lesen Sie hier den Bericht unseres Italien-Korrespondenten Dominik Straub.

RND/dpa

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