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Die griechische Flagge weht zwischen zwei Europafahnen in Athen.

Steuervergünstigungen: Griechenlands Regierung will Fusionen fördern

Athen. Eine kleine Halle im Athener Gewerbegebiet Votanikos, ein betagter Lieferwagen, fünf Mitarbeiter: Die Firma von Philippos Psaropoulos, ein Fachbetrieb für Aluminiumbau, ist ein typisches griechisches Kleinunternehmen. Psaropoulos und seine Leute sind handwerklich geschickt und fleißig.

Über Aufträge kann der 43-jährige Unternehmer nicht klagen angesichts des Immobilienbooms in Griechenland. Aber manchmal ist er überfordert. Als Psaropoulos kürzlich die Fenster für einen sechsstöckigen Hotel-Neubau liefern sollte, musste er abwinken: „Das kann ich mit meinen Finanzmitteln, meinen Maschinen und meiner Mannschaft nicht stemmen.“

Unternehmern wie Philippos Psaroupoulos will die Regierung des konservativen Premierministers Kyriakos Mitsotakis jetzt unter die Arme greifen. Firmen, die fusionieren oder miteinander kooperieren, zahlen für die nächsten drei Jahre ein Drittel weniger Steuern auf ihre Gewinne.

Das sieht ein Gesetzentwurf vor, der jetzt dem Parlament in Athen zur Beratung vorliegt. Die Regelung soll am 1. Januar 2022 in Kraft treten. Ministerpräsident Mitsotakis erklärt: „Wir wissen, dass unsere Unternehmen wettbewerbsfähiger werden müssen.“ Mit den geplanten Anreizen wolle die Regierung „Zusammenschlüsse fördern, um die Firmen zu stärken“, so der Premier.

Kleine Unternehmensgrößen sind ein chronisches Problem der griechischen Wirtschaft. Daten des staatlichen Statistikamtes Elstat von Ende September zeigen: 95 Prozent aller griechischen Firmen beschäftigen weniger als zehn Mitarbeitende. Im EU-Durchschnitt macht der Anteil dieser Kleinstunternehmen nur etwa 30 Prozent aus.

Von den knapp 719.000 Unternehmen in Griechenland haben lediglich 550 mehr als 250 Beschäftigte. Für griechische Verhältnisse sind das Großunternehmen. Sie erwirtschaften 32 Prozent der gesamten Unternehmensumsätze. Das zeigt den Zusammenhang zwischen Firmengröße und Produktivität.

Aus eigener Kraft zu wachsen, ist für die meisten kleinen und mittelgroßen Unternehmen sehr schwer. Sie sind oft unterkapitalisiert und haben wenig Liquidität. Der Zugang zu Bankkrediten scheitert meist an der mangelnden Bonität. Überdies sind diese Unternehmen oft gar nicht in der Lage, die von den Kreditinstituten geforderten Geschäftspläne auszuarbeiten.

„Wir wollen diesen kleinen und mittleren Unternehmen helfen, damit sie wachsen können“, erklärt Alex Patelis, Chef-Wirtschaftsberater von Ministerpräsident Mitsotakis. Die Firmen sollen „in die Lage versetzt werden, ihre Produktivität zu steigern, innovativer zu werden und mehr zu investieren“, sagt Patelis.

Erreichen will die Regierung dieses Ziel mit der Förderung von Fusionen und Übernahmen, aber auch mit Plattformen für die Bildung von Unternehmensclustern, etwa bei der Beschaffung, im Marketing und Vertrieb. Unternehmen, die andere Firmen übernehmen oder sich mit ihnen zusammenschließen, zahlen für die nächsten drei Jahre auf ihre Gewinne nur 15,5 Prozent statt der üblichen 22 Prozent Steuern.

Gefördert werden Zusammenschlüsse von Firmen, die jeweils weniger als 250 Mitarbeitende beschäftigen und nicht mehr als 50 Millionen Euro Jahresumsatz erwirtschaften. Es gibt auch eine Untergrenze: Der Jahresumsatz der fusionierenden Firmen muss zusammen mindestens 450.000 Euro betragen. Das Ziel ist, Fusionen ähnlich großer Firmen zu fördern.

Das Förderkonzept für Unternehmensfusionen ist eine von 15 Vorgaben, die Griechenland für die Bewilligung der Mittel aus dem Corona-Aufbauplan der EU (RRF) umsetzen muss. Aus dem Fonds erwartet Athen in den nächsten Jahren Zuschüsse von 17,8 Milliarden und zinsgünstige Kredite von 12,7 Milliarden Euro. Mit einem Teil dieser Darlehen will die Regierung Investitionen fusionierter Unternehmen fördern.

Von Gerd Höhler/RND