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Der Unternehmer Dirk Roßmann.

Dirk Roßmann: „Klimakatastrophe ist kein Zukunftsszenario mehr“

Hannover. Der Unternehmer Dirk Roßmann hat das langsame Voranschreiten der Politik in Sachen Klimaschutz kritisiert.

Der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ (HAZ) sagte Roßmann im Interview: „Die Trippelschritte, mit denen die Politik und wir alle derzeit vorangehen, werden nicht ausreichen.“ Seiner Auffassung nach müssten sich insbesondere die USA, Russland und China zusammenschließen, damit Bewegung in den Klimaschutz käme.

„Das ist vielleicht auf den ersten Blick eine verrückte Idee, aber ich glaube, dass es nicht anders geht. Die UN sind zu unbeweglich, sie funktionieren nicht“, sagte der Gründer der Drogeriekette Rossmann. Seine Vision zu diesem Thema schrieb er auch in zwei Thrillern nieder.

Roßmann: „Klimakatastrophe ist kein Zukunftsszenario mehr“

„Die Klimakatastrophe ist kein Zukunftsszenario mehr, sie ist im vollen Gange. Die Prognosen von 98 Prozent der Wissenschaftler, die sich intensiv mit dem Thema beschäftigen, sind erschreckend pessimistisch“, stellte Roßmann fest. Erst wenn die Staaten der Erde begreifen würden, dass es Wahnsinn sei, Armeen vorzuhalten, würde man vorankommen. Es brauche einen Wandel von gegenseitigem Misstrauen der Staaten hin zu mehr Vertrauen – und eine „starke Keimzelle“ aus den drei mächtigsten Staaten.

Die deutsche Politik allein könne nur wenig ausrichten, denn „wir in Deutschland sind für 1,9 Prozent der weltweiten Kohlendioxidemissionen verantwortlich“. Die Herausforderungen in der Klimapolitik aber bräuchten „Fortschritte in ganz anderen Maßstäben“. „Wir müssen global vorankommen, und das geht nur, wenn die militärisch und wirtschaftlich stärksten Nationen der Welt sich bewegen.“

Sein Unternehmen tue schon einiges für den Klimaschutz, insbesondere um den Plastikverbrauch zu reduzieren, sagte Roßmann. Der Unternehmer wiederholte in diesem Zusammenhang aber seine Einschätzung: „Der Kampf gegen die Umweltverschmutzung und den Klimawandel entscheidet sich nur marginal in Europa. Wir können Vorbild sein, das ist richtig – das reicht aber bei Weitem nicht mehr.“

Roßmann glaubt, dass Flugverbote kommen werden

Für die Finanzierung der Klimapolitik sprach sich der Unternehmer zudem für eine einmalige Vermögenssteuer aus, „die bei größeren Vermögen bei 8 Prozent beginnt und ab 100 Millionen Euro 25 Prozent beträgt“. Es gehe ihm dabei aber nicht vorrangig ums Geld, „sondern um das Überleben unserer Kinder in einem wieder gesundenden Ökosystem“.

Was persönliche Einschränkungen etwa bei der Ernährung betrifft, zeigte sich Roßmann skeptisch. „Ich bin kein radikaler Entweder-oder-Typ, ich bin immer sowohl-als-auch. Ich will mir nicht alles verbieten.“ Er sei sich aber sicher, „dass wir noch in diesem Jahrzehnt weltweite Beschränkungen des Flugverkehrs erleben werden, wie etwa bei urlaubsbedingten Kontinentalflügen“.

Dann seien solche Flüge vielleicht nur einmal alle fünf Jahre möglich. Er plädierte dafür, lieber einmal im Jahr Urlaub zu machen, dafür aber etwas länger. „Solche Maßnahmen sind weltweit nötig, um die Erwärmung der Luft und der Meere wirklich zu stoppen.“

RND/sic