Donnerstag , 9. Dezember 2021
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Medienberichten zufolge soll CDU-Politiker Friedrich Merz ein Unterstützer des Netzwerkes „The Republic" sein. Quelle: Bernd Thissen/dpa

Videoauftakt mit rechtspopulistischen Tönen: Merz soll Unterstützer von Agentur „The Republic“ sein

Berlin. Medienberichten zufolge wollen mehrere Politiker aus CSU und CDU konservative Themen mithilfe einer eigenen Kampagnenagentur stärker bewerben. Am Donnerstagmorgen hat das Netzwerk mit dem Namen „The Republic“ sein erstes Video auf Youtube veröffentlicht.

Zunächst hatte „Bild.de“ über die Gründung von „The Republic“ berichtet. Die Mission des Netzwerkes baue auf liberal-konservativem Werteverständnis auf, heiße es im Gründungspapier. „Wir stehen für mündige Bürger, einen schlanken und dennoch effizienten Staat sowie die wehrhafte Demokratie.“

Ein prominenter Unterstützer von „The Republic“ soll Friedrich Merz sein. Caroline Bosbach, Tochter von CDU-Politiker Wolfgang Bosbach, fungiert als eines der Gesichter des Netzwerkes. Federführend in dem Projekt sei zudem Armin Petschner-Multari, der bisher den Youtube-Kanal „CSYou“ der CSU moderierte.

Ein erstes Video, das die Kampagnenagentur am Donnerstag veröffentlichte, erinnert in Inhalt und Aufmachung jedoch eher an Veröffentlichungen rechtspopulistischer Gruppierungen: Darin sind schnell aufeinander folgende Bilder von Krawallen, Feuern und kurze Nachrichtenschnipsel zu sehen. Untermalt sind die Bildsequenzen mit dramatischer Musik – es wird eine beunruhigende Atmosphäre, ein Gefühl der Dringlichkeit und Angst erzeugt. Den Zuschauerinnen und Zuschauern wird ein Deutschland suggeriert, das nach links rückt. „Deutschland steht am Scheideweg. Wir haben es in der Hand“, heißt es am Ende.

Die Kampagnenagentur erklärt, sich gegen einen „politischen Linksdrift“ in Deutschland zu stellen. „Unser Ziel ist ein bürgerliches Deutschland“, heißt es weiter.

Drei Kampagnen wurden angekündigt

Auf einer Website hat „The Republic“ bislang drei Kampagnen angekündigt: So wollen die Konservativen einen angeblichen „Gender-Wahnsinn stoppen“ und sagen „revolutionäre[n] Gender-Aktivisten“ den Kampf an, die „offen gegen traditionelle Geschlechterrollen und das klassische Familienbild“ kämpften. Auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk gerät ins Visier der Kampagnenagentur: Sie wirft den Rundfunkanstalten „moralisierenden Haltungsjournalismus“ vor und will ihn zu einer „schlanken Organisation“ machen. In einer dritten angekündigten Kampagne will „The Republic“ offenbar gegen mit staatlichen Geldern unterstützte Nichtregierungsorganisationen vorgehen.

Die Gründerin der gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus aktiven Amadeu Antonio Stiftung, Anetta Kahane, bezeichnet die Agentur als „radikale Krawallmacherin“. Kahane und ihre Stiftung werden regelmäßig besonders von rechtspopulistischen und rechtsextremen Gruppen angegriffen.

Im sozialen Netzwerk Twitter regte sich am Donnerstag einige Kritik an der unionsnahen Kampagnenagentur – auch aus Unionskreisen selbst. So schrieb der Essener CDU-Bundestagsabgeordnete Matthias Hauer: „Was sich ‚dem politischen Linksdrift‘ entgegenstellt, das sind CDU und CSU, aber keine kommerzielle Kampagnenagentur mit (ganz konservativ) englischem Namen.“

RND/ag/feh