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Zehntausende Demonstranten haben bereits in der vergangenen Woche die Auflösung der Übergangsregierung und demokratische Reformen gefordert. Quelle: Marwan Ali/AP/dpa

Regierungsvertreter bei Militärputsch im Sudan festgenommen

Kairo. Das Informationsministerium im Sudan hat nach Berichten über einen Putschversuch die Festnahme mehrerer Minister und Regierungsvertreter durch das Militär bestätigt. Wo sie festgehalten werden, sei unklar, hieß es in einer Mitteilung auf der offiziellen Facebook-Seite des Ministeriums am Montag. Das Militär habe Internetverbindungen abgeschaltet und Brücken abgesperrt, teilte das Ministerium weiter mit. Im staatlichen Fernsehen wurden traditionelle, patriotische Lieder gespielt.

Zuvor hatte die Nachrichtenagentur AP bereits aus informierten Kreisen erfahren, dass es im Sudan offenbar zu einem Putschversuch gekommen war. Der Gewerkschaftsverband SPA, der 2019 auch die Proteste gegen den daraufhin abgesetzten Langzeitmachthaber Omar al-Baschir angeführt hatte, rief die Menschen im Land auf, auf die Straße zu gehen, um eine Machtübernahme des Militärs zu verhindern. Die Organisation NetBlocks meldete großflächige Ausfälle des Internets im Land.

Festgenommen wurden den Angaben zufolge Industrieminister Ibrahim al-Sheikh, Informationsminister Hamza Baloul, Mohammed al-Fiky Suliman vom regierenden Souveränitätsrat und Faisal Mohammed Saleh, Medienberater von Ministerpräsident Abdalla Hamdok. Auch Ayman Khalid, der Gouverneur der Hauptstadtregion Khartum sei verhaftet worden, hieß es auf seiner offiziellen Facebook-Seite.

Regierungschef Abdalla Hamdok unter Hausarrest

Regierungschef Abdalla Hamdok ist unter Hausarrest gestellt worden. In einer Mitteilung auf der offiziellen Facebook-Seite des Informationsministeriums hieß es später, der Staatschef sei von Angehörigen des Militärs an einen unbekannten Ort verschleppt worden. Er solle gezwungen werden, in einer Botschaft seine Unterstützung für die Putschisten bekanntzugeben, erklärte das Informationsministerium.

Die sudanesische Organisation Sudanese Professionals Association rief auf Facebook zum Widerstand auf. Tausende Menschen haben am Montag gegen die Machtübernahme des Militärs demonstriert. In der Hauptstadt Khartum und im angrenzenden Omdurman gingen riesige Menschenmengen auf die Straßen, wie in Videos zu sehen war, die online zirkulierten. Einige der Demonstranten blockierten Straßen und steckten Reifen in Brand. Sicherheitskräfte reagierten mit Tränengas. In den Videos war zu hören, wie die Menschen skandierten: „Das Volk ist stärker“ und „Rückzug ist keine Option“.

In den vergangenen Wochen hatten die Spannungen zwischen dem Militär und dem zivilen Teil der Regierung zugenommen. Nach Regierungsangaben war es bereits am 21. September zu einem Putschversuch gekommen. Seither hat sich die politische Lage im Sudan weiter zugespitzt. Seit Wochen gibt es immer wieder Proteste. Demonstranten verlangten den Rückzug des Militärs aus der Regierung und demokratische Reformen.

Der Sudan wurde fast 30 Jahre lang von Omar al-Baschir regiert. Der Langzeit-Machthaber wurde im April 2019 durch monatelange Massenproteste und einen Militärputsch aus dem Amt getrieben. Daraufhin einigten sich das Militär und die zivile Opposition auf eine gemeinsame Übergangsregierung, die den Weg zu Wahlen ebnen soll.

RND/AP/dpa