Anzeige
Hendrik Wüst bei seiner Vereidigung zum neuen Minister­präsidenten von Nordrhein-Westfalen. Quelle: imago images/Political-Moments

Generationen­wechsel: Wüst folgt auf Laschet – mit eigener Glücks­quelle

Berlin. Nein, lebensmüde ist die schwarz-gelbe Koalition in Nordrhein-Westfalen nicht. Mag vor der Wahl von Hendrik Wüst zum neuen Minister­präsidenten wegen der knappen Mehrheits­verhältnisse im Landtag an den „Heide-Mörder“ erinnert worden sein, der 2005 Schleswig-Holsteins Regierungs­chefin Heide Simonis in vier Wahl­gängen die eine noch nötige Stimme zur Wiederwahl verweigerte – in NRW geht alles glatt. Seit Mittwoch um 14.11 Uhr ist Wüst, den sie in der CDU einen „Macher“ nennen, der neue Minister­präsident.

Auch wenn es eine geheime Wahl ist und man deshalb nicht sagen kann, wer wie abgestimmt hat, sieht es nach fester schwarz-gelber Geschlossenheit aus. CDU und FDP verfügen mit zusammen 100 Mandaten nur über eine Stimme Mehrheit in dem Landtag mit 199 Abgeordneten. Den 46 Jahre alten Christ­demokraten wählen 103 Parlamentarier. Drei mehr, als Wüst für die im ersten Wahlgang nötige absolute Mehrheit braucht.

Ob darunter nun AfD-Stimmen sind oder nicht – die Erleichterung der Koalition, aber vor allem der CDU und von Wüst ist sichtlich groß. Als Landtags­präsident André Kuper das Ergebnis verkündet, bricht Jubel in den Reihen der Koalition aus. Sozial­minister Karl-Josef Laumann (CDU) klatscht begeistert in die Hände, der FDP-Minister und stellvertretende Minister­präsident Joachim Stamp umarmt Wüst vor Begeisterung. Armin Laschet, dem ansonsten in den vergangenen Monaten wenig glückte, ist die komplizierte Amts­übergabe gelungen.

In seiner Antrittsrede nennt Wüst den Klima­schutz und die Bewahrung der Schöpfung als wichtigste Zukunfts­aufgaben. Es hört sich ein wenig nach Schwarz-Grün an. In sechs Monaten wird in NRW ein neuer Landtag gewählt, nicht viel Zeit, um als neuer CDU-Landes­vorsitzender und Minister­präsident die Voraus­setzungen für einen Wahlsieg zu schaffen, zumal mit den Ampelkoalitions­verhandlungen im Bund Wechselstimmung einziehen könnte.

Eine eigene gute Voraussetzung, um sich bekannter zu machen, bekommt Wüst mit einer Aufgabe, die Laschet für seine bittere unionsinterne Auseinander­setzung gut hätte gebrauchen können – und die stattdessen CSU-Chef und Bayerns Minister­präsident Markus Söder für sich nutzen konnte: den Vorsitz der Minister­präsidenten­konferenz.

Seit Anfang Oktober hat NRW – Wüst – turnusgemäß den Vorsitz. Er sagt von sich, dass er „keine Laber­runden“ und „nicht noch ’nen Stuhl­kreis“ will. An seinen Ankündigungen zu schnellem Internet, einer starken Wirtschaft, NRW als Bildungs- und Chancen­land und sicherer Heimat dürfte er gemessen werden.

Wüsts Karriere ist nicht ohne Brüche verlaufen. 2010 war er als CDU-General­sekretär zurück­getreten, weil die Landes-CDU Sponsoren gegen Geld Einzel­gespräche mit dem damaligen Minister­präsidenten Jürgen Rüttgers angeboten hatte. „Die Kritik hat mich wachsen lassen“, sagt Wüst heute.

Seit 2017 Landes­minister

Laschet hatte ihn 2017 in sein Kabinett geholt. Wüst dankt dem 60-Jährigen persönlich. Vor allem für diesen Leitsatz: Zuhören, Entscheiden, Handeln. Das sei Laschet. Der Aachener wirkt in diesem Moment so berührt wie Wüst. Der eine geht, der andere kommt.

Laschet hat nach seiner gescheiterten Kanzler­kandidatur sein Versprechen eingelöst und trotzdem sein Amt als NRW-Regierungs­chef aufgegeben und in NRW den Generationen­wechsel eingeleitet. In der Bundes-CDU rufen viele noch danach. Laschet wird auch den CDU-Partei­vorsitz abgeben. Doch hier gestaltet sich der Wechsel komplizierter als in Düsseldorf.

Wüst dankt noch jemandem in seiner Rede. Seiner Ehefrau Katharina und der gemeinsamen sieben Monate alten Tochter Philippa, „auch wenn sie noch sehr klein ist“. Sie habe seinen Blick auf die Welt noch einmal verändert. Philippa sei seine „größte Glücks­quelle“ und Motivation, jeden Tag noch etwas besser machen zu wollen.

Von Kristina Dunz/RND