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Der Vorsitzende der Gesundheitsminister der Länder Klaus Holetschek (CSU) aus Bayern. (Archivbild) Quelle: Daniel Karmann/dpa

Gesundheitsminister der Länder: Apotheken und Zahnarzt­praxen sollen gegen Corona impfen

Berlin/München. Zur Beschleunigung der Corona-Impfungen in Deutschland sollen aus Sicht der Gesundheitsminister der Länder künftig auch Apotheken und Zahnärzte mit einbezogen werden. Der Bund sei gebeten, die rechtlichen Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, sagte der Vorsitzende der Ressortchefs, Klaus Holetschek (CSU) aus Bayern, am Montag in München nach einer Schaltkonferenz. Er verwies auf bestehende Regelungen, nach denen Apotheken in regionalen Modellprojekten bereits Grippeimpfungen machen können.

Bis zum Jahresende werden mehr als 20 Millionen Auffrischimpfungen („Booster“) länger zurückliegender Impfungen angestrebt. Holetschek machte mit Blick auf Apotheken und Zahnärzte deutlich, dass eine Regelung für sie nicht von heute auf morgen umgesetzt werden könne. Auch für die Zukunft blieben Auffrischimpfungen aber wichtig.

Die Apotheken haben bereits Unterstützung angeboten. Es gebe derzeit 2600 Apotheker, die Impfschulungen für regionale Pilotprojekte zur Grippeimpfung gemacht hätten, hatte die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände erklärt. Sie wären am schnellsten einsatzfähig.

Schnelle Corona-Kinderimpfungen

Zudem drücken die Gesundheitsminister der Länder bei den Corona-Impfungen für Kinder aufs Tempo. In einem einstimmig gefassten Beschluss vom Montag fordern sie die EU-Kommission zu früheren Impfstofflieferungen auf - und bitten die Ständige Impfkommission (Stiko) um eine „sehr zeitnahe“ Empfehlung für Kinderimpfungen. In allen Ländern sollen „unverzüglich“ Angebote für Kinderimpfungen, etwa besondere Impfstraßen, eingerichtet werden.

Man begrüße es, dass die europäische Arzneimittelbehörde EMA nun einen Corona-Impfstoff für Fünf- bis Elfjährige zugelassen habe, sagte Holetschek (CSU).

Nun fordere man die EU-Kommission auf, den Impfstoff schneller zur Verfügung zu stellen als am 20. Dezember - dies ist das bisher genannte Datum. „Wir hoffen, dass das vorgezogen werden kann, damit wir da auch noch schneller mit den Impfungen anfangen können.“

Die Gesundheitsministerkonferenz (GMK) sei sich zudem einig gewesen, dass man überall Kinder- und Familienimpfstraßen auf den Weg bringen wolle, damit man unmittelbar, wenn der Impfstoff zur Verfügung stehe, beginnen könne, sagte Holetschek als derzeitiger GMK-Vorsitzender.

Stiko soll „zeitnah“ Empfehlung geben

Zudem werde die Ständige Impfkommission (Stiko) gebeten, „zeitnah“ eine Empfehlung abzugeben, „und zwar so schnell sie können“. „Wir wollen da keinen Druck aufbauen“, sagte Holetschek. „Wir wissen aber, dass es wichtig wäre, das wir zeitnah gerade bei diesen sensiblen Impfungen tatsächlich von der Ständigen Impfkommission ein Signal kriegen.“ Die Stiko hatte zuletzt angekündigt, möglichst bis zur Auslieferung des Kinder-Impfstoffs eine Empfehlung auszusprechen.

Die EMA hatte vergangenen Donnerstag grünes Licht für die Zulassung des Präparats von Biontech/Pfizer (Comirnaty) auch für die Gruppe der Fünf- bis Elfjährigen gegeben - aber in niedrigerer Dosierung.

Abgesehen davon seien niedergelassenen Ärzte schon jetzt in der Lage, nach individueller Beratung Impfungen von Kindern vorzunehmen, sagte Holetschek, betonte allerdings: „Es handelt sich da aber um einen sogenannten Off-Label-Use.“ Der Kinderimpfstoff sei erst in den Dosen, in denen er dann ausgeliefert werde, von der EMA-Zulassung erfasst.

Eine weitere Forderung der Gesunheitsminister der Länder ist, dass nicht unbedingt notwendige medizinische Eingriffe in allen Ländern verschoben werden. Grund ist die Überlastung der Kliniken durch die Corona-Pandemie. Die Verteilung von Intensivpatienten unter den Bundesländern im sogenannten Kleeblatt-System sei eine große logistische Aufgabe aber es funktioniere, erklärte Holetschek.

RND/dpa