Donnerstag , 20. Januar 2022
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Christine Vogler, Präsidentin des Deutschen Pflegerats. Quelle: imago images/Jürgen Heinrich

Deutscher Pflegerat: Personal soll dauerhaft impfen dürfen – viele Fragen aber noch offen

Der Deutsche Pflegerat hat den Beschluss von Bund und Ländern begrüßt, nach dem nun auch Pflegefachkräfte in die Impfkampagne einbezogen werden. Der Beschluss sieht vor, dass Ärztinnen und Ärzte die Impfung unter anderem an Pflegefachkräfte delegieren dürfen. „Um die Impfungen schnellstmöglich realisieren zu können, unterstützen wir kurzfristig die Delegation von Impfungen an Pflegefachpersonen“, sagte Präsidentin Christine Vogler dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Vogler forderte in diesem Zuge dauerhaft mehr rechtliche Befugnisse. Sie könne nicht verstehen, „warum im Rahmen der Heilkundeübertragung, Pflegefachpersonen nicht grundsätzlich dazu befähigt werden“. In anderen Ländern sei es bereits Praxis, dass Pflegefachpersonen Impfkampagnen von der Beratung bis zum Impfen eigenständig durchführen. „Auch hierzulande sind Pflegefachpersonen dafür ausreichend qualifiziert“, so Vogler. Sie seien geschult, Injektionen zu verabreichen und hätten ein „vertrauensvolles Verhältnis zu ihren Patienten und Pflegebedürftigen und kennen deren gesundheitliche Situation“.

Pflegerat: Hat die Ampel ihre erste Chance vertan?

Im Koalitionsvertrag hätte die Ampelkoalition bereits mit dem Satz „Professionelle Pflege ergänzen wir durch heilkundliche Tätigkeiten und schaffen u. a. das neue Berufsbild der ‚Community Health Nurse‘“ den Weg geebnet. Vogler monierte: Bei der Verabreichung von Corona-Impfungen „hätte es nun die erste Chance gegeben, Aussagen aus dem Koalitionsvertrag umzusetzen“.

Der Bundesverband Dienstleistungswirtschaft (BDWi) mahnte aber an: „Wenn Pflegefachkräfte boostern sollen, muss die Politik auch die Frage des ‚Wie‘ beantworten“, sagte BDWi-Präsident Michael H. Heinz dem RND. „Zeitfenster, Kompensation und bitte nicht zulasten der Versorgung der Pflegebedürftigen“ - das alles müsste geklärt werden.

Der Präsident vom Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa), Bernd Meurer, warnt vor der hohen Belastung für die Pflegefachkräfte. Zwar hätten sie die Kompetenzen, eine Corona-Impfung durchzuführen. „Die Priorität muss aber auf der Sicherstellung der pflegerischen Versorgung liegen; eine so wichtige Aufgabe wie das Impfen kann nicht einfach nebenbei erledigt werden.“ Deshalb müssten zunächst alle vorhandenen Möglichkeiten mit Arztpraxen, Impfzentren und mobilen Impfteams genutzt werden, so Meurer.

Von Sven Christian Schulz , Jens Strube/RND