Donnerstag , 20. Januar 2022
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Die AfD-Fraktionsvorsitzende Alice Weidel steht in der Kritik. Quelle: Sina Schuldt/dpa

Hitziges Interview: Alice Weidel blamiert sich mit Behauptung zu Covid-Patienten auf Intensivstationen

Es sollte eigentlich nur ein kurzes Interview am Rande der Kanzlerwahl werden, doch dann entwickelte es sich in eine ganz andere Richtung. Phoenix-Moderator Erhard Scherfer sprach mit der AfD-Fraktionsvorsitzenden Alice Weidel über die Pandemiemaßnahmen und Impfstoffe. Die bisher zugelassenen Impfstoffe genügen Weidel nicht, denn „die Leute werden ja trotzdem krank“, erklärte sie.

Der Moderator warf daraufhin ein, dass auf den Intensivstationen der Krankenhäuser vor allem Ungeimpfte liegen. „Auch das stimmt nicht“, wiegelte Weidel ab, „die Zahlen stimmen nicht“, fügte sie hinzu. Als die AfD-Politikerin erklären sollte, woher sie denn ihre anderen Zahlen habe, verwies sie auf „destatis“, also die Website des Statistischen Bundesamts (Video).

Doch das Statistische Bundesamt weist die Behauptung Weidels zurück. Denn über solche Daten verfüge es überhaupt nicht.

Faktencheck: Weidels Aussage ist falsch

Nicht nur die Quelle, die Alice Weidel (AfD) anführt, ist falsch. Auch ihre Behauptung ist nicht haltbar: Die Aussage lässt sich sehr einfach mithilfe der offiziellen Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) widerlegen. Im aktuellen Wochenbericht weist das RKI für mehrere Altersgruppen die Zahlen der auf Intensivstationen behandelten Covid-Patienten aus.

Demnach sind 15,7 Prozent der Patienten auf den Intensivstationen aus der Altersgruppe der 18- bis 59-Jährigen geimpft. In der Altersgruppe der über 60-Jährigen sind es 44,5 Prozent. In beiden Altersgruppen ist demzufolge die Mehrheit der Covid-Patienten auf den Intensivstationen ungeimpft. Alice Weidels Aussage ist also falsch.

Zudem muss bei den Daten berücksichtigt werden, dass die Impfquote bei den über 60-Jährigen inzwischen bei 86 Prozent liegt. Somit sorgt der kleine Anteil von 14 Prozent ungeimpfter Personen für mehr als 50 Prozent Intensivpatienten in der Altersgruppe.

RND/scs